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Dormagen: Barockmusik der Extraklasse

Dormagen : Barockmusik der Extraklasse

"Gipfeltreffen" hieß das Programm, in dem eine glänzend aufgelegte Nuria Rial auf ein höchst spielfreudiges Ensemble traf. Zwei Stunden lang demonstrierten die Künstler Barockmusik auf höchstem Niveau.

Es war erst gut eine halbe Stunde gespielt, als sich Außerordentliches ereignete. Das Publikum in der sehr gut gefüllten Basilika spendete schon hier frenetischen Beifall, der eines euphorischen Schlussapplauses würdig gewesen wäre. Was war passiert?

Nuria Rial und das Barock-Ensemble "Musica Alta Ripa" hatten eine zeitlose Schmonzette erzählt von Sehnsucht, Keuschheit und unerfüllter Liebe. Die Künstler erzählten die Geschichte von "Lèandre und Héro", die Louis-Nicolas Clérambault 1713 in hinreißende Musik verwandelt hat, auf eine Art, die wohl niemand im Publikum so schnell vergessen wird.

Die grandiose Mischung aus verblüffender Mühelosigkeit, gespeist aus musikalischer Extraklasse, und Spannung auf der einen sowie Charme, Witz und bester Unterhaltung auf der anderen Seite, entzückte das Publikum.

"Diese Leichtigkeit", "Das war beste Unterhaltung", "Wunderbar": Nicht nur die spanische Sopranistin Nuria Rial, Top-Star unter den Solisten dieser Festival-Woche, war Thema der Pausengespräche. Zuvor hatten Blockflötistin Danya Segal, die Geigerinnen Anne Röhrig und Ulla Bundies, Cellist Albert Brüggen und Bernward Lohr noch Jean-Marie Leclairs "Prémiere Récreation de Musique" gespielt — eine Suite, gedacht für Amateurmusiker.

Was die Profis von "Musica Alta Ripa" daraus machten, war eine Demonstration barocker Spielfreude — in hoher Präzision. Wer bei "Alte Musik" an angestaubte Kopfgeburten denkt, lernte hier: Alles ist Tanz und Bewegung.

Nuria Rial nutzt den Raum um sich herum, schwebt selbst bei schwersten Passagen entspannt über die Bühne. Ihre Stimme nutzt sie als äußerst flexibles Instrument, dem sie in Händels Kantate "Armida abbandonata" und in Agostino Steffanis Kantate "Guardati, o Core, dal Dio bambin" ein schier unerschöpfliches Reservoir an Klangfarben entlockt.

Ihr samtiger Sopran erzeugt Gänsehaut und passt gut zur Ausstrahlung der bildhübschen Frau, die ganz natürlich wirkt, sich ihrer Wirkung gleichwohl bewusst ist. Stilistisch fügt sich die Katalanin perfekt ein in den barocken Duktus ihrer Begleiter — so schön können Vorhalte klingen. Am Ende verdiente Ovationen, Bravi, fröhliche Gesichter. Auf und vor der Bühne.

(NGZ)