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Dormagen: Bald noch weniger Arbeitslose

Dormagen : Bald noch weniger Arbeitslose

Viktor Sauer (30), Leiter der Geschäftsstelle der Arbeitsagentur Dormagen, über Fachkräftemangel, die Besonderheiten des Arbeitsmarkts vor Ort und warum seine Prognose für das Jahr 2011 positiv ausfällt.

Herr Sauer, seit Ihrem Antritt als Geschäftsstellenleiter im März 2010 ist die Arbeitslosenquote um 1,3 Prozentpunkte auf 5,1 Prozent gesunken. Wie groß ist Ihr Anteil daran?

Viktor Sauer Das kann ich schlecht beziffern. Einen großen Anteil daran haben auch die anspringende Konjunktur und der Umstand, dass die Arbeitgeber vorausschauend gehandelt und Mitarbeiter eingestellt haben. Doch natürlich haben auch die arbeitsmarktpolitischen Instrumente der Agentur für Arbeit gegriffen.

Geht noch mehr?

Sauer Ich gehe davon aus, dass sich die Zahlen auch 2011 positiv entwickeln und rechne mit einer durchschnittlichen Quote von unter fünf Prozent.

Dormagen hat sich besonders gut entwickelt. Warum?

Sauer Eine Besonderheit vor Ort ist, dass wir etliche ältere und Langzeitarbeitslose haben. Sie konnten im vergangenen Jahr teilweise gut vermittelt werden; aufgrund des demografischen Wandels können wir es uns auch gar nicht erlauben, den Erfahrungsschatz dieser Fachkräfte auf der Straße liegen zu lassen.

In welche Jobs konnte diese Klientel vermittelt werden?

Sauer Es ist insbesondere der Bereich gering qualifizierter Beschäftigter, der sich positiv entwickelt hat. Gemeint sind Helfertätigkeiten. Außerdem gibt es in Dormagen viele Ein- und Auspendler. Sie haben von der florierenden Automobilindustrie in Köln profitiert.

Es wird viel über Fachkräftemangel geklagt, gerade in den technischen und Ingenieurberufen...

Sauer Wir haben in einigen Branchen einen großen Bedarf an Fachkräften, beispielsweise im naturwissenschaftlichen und medizinischen Bereich. Und da ist es nicht immer einfach, schnell die angebotene freie Stelle zu besetzen. Aber wir haben selbstverständlich auch hochqualifizierte Männer und Frauen, die bei uns Arbeit suchen.

Der Arbeitsmarkt in Dormagen mit seinem Schwerpunkt Chemie ist homogen. Ist das ein Vor- oder Nachteil?

Sauer Ich glaube, dass das eher ein Vorteil ist, und die Zusammenarbeit mit dem Chempark läuft gut. Allerdings haben sich auch andere Branchen in Dormagen positiv entwickelt: der Einzelhandel, Speditionen, Großhandel.

Ist der Dormagener Arbeitsmarkt einfach oder schwierig?

Sauer Wenn ich Dormagen mit Köln vergleiche, wo ich vorher tätig war, ist es hier schon entspannter, die Dynamik ist eine andere, der Arbeitsmarkt ist unter Pendleraspekten aufnahmefähiger.

In welchen Jobs haben Arbeitslose gute Chancen derzeit?

Sauer Neben den erwähnten Helfertätigkeiten entwickeln sich auch der medizinische und pflegerische Bereich gut; auch mit dem Einzelhandel geht es bergauf.

Die Zahl der Zeitarbeiter könnte 2011 die Marke von einer Million überschreiten. Sind die Jobs unsicherer geworden?

Sauer Es geht für die Unternehmen darum, mittels Zeitarbeit flexibel auf die Auftragslage zu reagieren. Die Zeitarbeit ist für viele Arbeitslose, die nicht so gut qualifiziert sind, eine Chance, beruflich wieder Fuß zu fassen. In der Zeitarbeitsbranche werden zudem auch unbefristete Arbeitsverträge geschlossen.

Die Kurzarbeit ist im vorvergangenen Jahr als Retter der Wirtschaft präsentiert worden. Und 2010?

Sauer Anfang 2010 dachten wir, die Kurzarbeit würde weiterhin eine große Rolle spielen. Letztendlich ist die Kurzarbeit nicht mehr so stark genutzt worden. Wir haben im Agenturbezirk Mönchengladbach 4,2 Millionen Euro weniger ausgegeben als 2009, insgesamt 22,2 Millionen Euro für Kurzarbeitergeld.

Jens Krüger führte das Gespräch.

(dhk)