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Dormagen: Bäume fürs Leben

Dormagen : Bäume fürs Leben

Elmar Schmidt hat eine besondere Beziehung zu Bäumen – vor allem im Tannenbusch, wo er seit Jahren den Baumbestand mit gestaltet und Informationen zur Flora für Besucher des Naherholungsgebiets aufbereitet.

Tannenbusch "Es ist eine herrliche Zeit für den Wald." Elmar Schmidt lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass sich der Weg durch den Tannenbusch lohnt. Er führt den Besucher durch "seinen" Wald wie durch eine Schatzkammer, präsentiert Bäume wie beste Freunde. Der Holzingenieur aus Unterfranken, den es vor fast 50 Jahren beruflich ins Rheinland verschlug und der als Ruheständler den Tannenbusch im wahren Sinne des Wortes "durchforstet", liebt seine vitalen Bewohner seit Kindertagen. "Ich habe durch meinen Vater Zugang zum Wald gefunden, der für mich immer Freiheit und Abenteuer versprach." Seine Sommerferien verbrachte er bei gleich mehreren Förstern in der Familie. "Der Wald ist eine dynamische Geschichte, hier kann man immer etwas Neues erleben."

Größte Lebewesen auf Erden

Und seine Träume verwirklichen, sagt Schmidt, der sich seit etwa sechs Jahren ehrenamtlich für die Schutzgemeinschaft deutscher Wald engagiert. Sein wichtigstes Projekt ist der Schutz und Erhalt der Schwarzpappel am Niederrhein. Mit gleicher Energie aber widmet sich der "Ruheständler" seit einigen Jahren dem Waldbau im Tannenbusch – Baum für Baum. Seine Lieblinge stehen unweit des vorderen Parkplatzes: eine Gruppe von Küsten-Mammutbäumen, über die er beinahe ehrfürchtig spricht. "Die Sequoien sind die größten pflanzlichen Lebewesen auf der Erde. Vor einigen Jahren wurde in Nordamerika, wo der Baum zuhause ist, das bisher größte, 116 Meter hohe Exemplar entdeckt." Anerkennend berührt Gasten den Riesen. "Das hier sind Babys", sagt er und lacht.

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Seit 60 Jahren stehen die "Mammuts" in Dormagen, bis zu 1200 Jahre alt können sie werden. "Dagegen ist unsere Lebensspanne lächerlich", sagt Schmidt, der Respekt vor der Natur lehren möchte – nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit der Vermittlung von Wissen über die Welt der Bäume. "Man sieht doch nur, was man weiß." Aus diesem Grund hat er im Vorjahr den Rundweg mit den Infotafeln gestaltet, die Besucher auf botanisch Bemerkenswertes hinweisen. Zum Beispiel auf den Maulbeer-Baum, dessen Blätter früher als Futter für die Seidenraupenzucht dienten. Die Unterschiede zwischen Berg- und Spitzahorn, oder zwischen mitteleuropäischer und amerikanischer Rot-Eiche. Schmidt schärft den Blick für Details, etwa die seltsamen Seitenleittriebe in der Krone der Küsten-Tanne hinter dem Biergarten.

Erholungswert erhalten

Die Informationen für Besucher sollen die Lust am Beobachten der Vielfalt wecken. Immerhin leben im Tannenbusch etwa 40 verschiedene Baumarten. "Wir wollen eine Brücke bauen zwischen Waldliebhaberei und einem Wissen, das die Freude am Wald vergrößert." Das Gesamtgebilde Tannenbusch sieht er mit gemischten Gefühlen. Natürlich freuen ihn der Betrieb, die vielen Familien. Andererseits wünscht er sich ein Wildfreigehege mit stärkerer Verbindung zwischen Wild und Wald. "Ziegen, Schafe, Gänse und Störche gehören hier eigentlich nicht hin. Man könnte stattdessen Frettchen oder Fischotter zeigen", sagt Schmidt. Am meisten liegt ihm freilich daran, den Wald klug zu gestalten. "Ein sauber geführter Wald gefällt den Menschen am besten."

(NGZ)