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Dormagen: Azubi-Suche wird schwieriger

Dormagen : Azubi-Suche wird schwieriger

Weniger Nachwuchs, höhere Anforderungen, schwankende Wissensstände bei Schulabgängern – für hiesige Firmen wird die Suche nach Azubis komplizierter. Die Branchen setzten dabei auch auf verschiedene Strategien.

Ruhige Zeiten gibt es für Personaler nicht mehr. Auch nicht am Jahresbeginn, wo am Ausbildungsmarkt früher nie viel passierte: Im vergangenen Herbst ist der jüngste Jahrgang an Lehrlingen gestartet, für die Neuen ist es noch etwas hin. Doch die Unternehmen, auch in Dormagen, müssen mittlerweile ständig aktiv sein, um für den richtigen Nachwuchs zu sorgen.

"Der demografische Wandel ist deutlich spürbar. Früher ging das schneller", sagt Wilhelm Koch, Geschäftsführer des Dormagener Logistikers Offergeld. Mit "das" meint er, aus den Bewerbern genügend gute Auszubildende auszuwählen. Doch dies ist laut Koch immer schwerer. "Wir nehmen fast nur noch Abiturienten, weil Schülern mit anderen Abschlüssen zunehmend elementare Dinge fehlen. Viele haben sogar Probleme mit den Grundrechenarten", sagt Koch. Auch bei der VR Bank in Dormagen sinken die Bewerberzahlen. "Nicht drastisch, aber kontinuierlich", erläutert Monika Adler-Schoos, seit elf Jahren ist sie Personalleiterin im Haus. Pro Jahr bekommt sie etwa zehn Bewerbungen weniger auf den Tisch. "Das war vor drei, vier Jahren noch anders – auch, wenn die Qualität nicht abgenommen hat."

Beim Dormagener Chempark-Betreiber Currenta sind die Bewerberzahlen gesunken. "Traditionell hohe Quoten haben wir aber weiter im Bereich der kaufmännischen Berufe, relativ geringe Bewerberzahlen dagegen etwa beim Elektroniker und vor allem beim Chemikanten", sagt Sprecher Benjamin Schütz. "Grundsätzlich haben größere Firmen weniger Probleme, weil sich noch genügend bewerben", sagt Stephan Mundt, Referent für die Ausbildungsberatung bei der IHK Niederrhein. "Schwieriger wird es für die kleineren Betriebe."

Handwerk und Chemie haben zusätzlich zum demografischen Wandel ein weiteres Problem: Ihr Image bei jungen Leuten. "Daher läuft seit Langem eine bundesweite Kampagne, die speziell Schüler ansprechen soll", sagt Siegfried Rohde aus Dormagen, Obermeister der Bau-Innung im Rhein-Kreis. Dabei bekommen Berufe wie Chemikant oder Maurer "ein Gesicht", in dem junge Menschen abgebildet werden, die diesen Beruf gewählt haben. "Das Handwerk muss etwas tun", sagt Rohde. Denn gerade kleinere Betriebe müssten genauer suchen, weil die Zahl der Bewerber sinkt. Dabei helfen Modelle wie die der Bildungszentren, etwa in Düsseldorf und Krefeld, die extra Programme auflegen, um Bewerber mehrere Tage in einer Art Berufs-Check "auf Herz und Nieren" zu prüfen. "Die Quote ist hier sehr gut. Wem das BZB eine Empfehlung gibt, der bleibt zu 90 Prozent in dem Betrieb", sagt Rohde.

(NGZ)