10 Jahre nach dem Tankerunglück: Avanti und die Folgen

10 Jahre nach dem Tankerunglück: Avanti und die Folgen

Dormagen/Worringen 1.30 Uhr in der Nacht - heute vor zehn Jahren. Heller Feuerschein über der Stadt. Auf dem Rhein hat es eine tödliche Katastrophe gegeben. Das Tankschiff "Avanti", das über eine Tankerbrücke der damaligen EC, heute Ineos Köln, befüllt wurde, war explodiert. Zwei weitere Schiffe, die an der Brücke lagen, gerieten in Brand. Feuerwehr und Polizei fuhr mit Lautsprecherwagen durch die Stadt: Die Bürger sollten Fenster und Türen schließen, Vergiftungsgefahr. Viele Bürger waren total verunsichert. Drei Tote und zehn Verletzte forderte das Unglück. Die NGZ sprach gestern mit Ineos-Geschäftsführer Dr. Patrick Giefers über Ursachen und Folgen des Unglücks.

Dormagen/Worringen 1.30 Uhr in der Nacht - heute vor zehn Jahren. Heller Feuerschein über der Stadt. Auf dem Rhein hat es eine tödliche Katastrophe gegeben. Das Tankschiff "Avanti", das über eine Tankerbrücke der damaligen EC, heute Ineos Köln, befüllt wurde, war explodiert. Zwei weitere Schiffe, die an der Brücke lagen, gerieten in Brand. Feuerwehr und Polizei fuhr mit Lautsprecherwagen durch die Stadt: Die Bürger sollten Fenster und Türen schließen, Vergiftungsgefahr. Viele Bürger waren total verunsichert. Drei Tote und zehn Verletzte forderte das Unglück. Die NGZ sprach gestern mit Ineos-Geschäftsführer Dr. Patrick Giefers über Ursachen und Folgen des Unglücks.

Herr Dr. Giefers, steht die Ursache des Avanti-Unglücks mittlerweile fest?

Dr. Patrick Giefers Die Gutachten, insbesondere die Expertise des TÜV, gehen von einem technischen Defekt auf dem Schiff aus, und zwar von einer Undichtigkeit der Befüll-Anlage.

Also kein menschliches Versagen?

Giefers Es könnte sich zum Beispiel genau so gut um eine elektrostatische Aufladung beim Befüllen gehandelt haben, die zur Explosion geführt hat.

Es wurde damals behauptet, jemand habe auf dem Schiff geraucht.

Giefers Davon ist in den Gutachten und in der juristischen Aufarbeitung der Vorgänge keine Rede mehr.

Wie weit ist die juristische Aufarbeitung gediehen?

Giefers Die Staatsanwaltschaft Köln hat ihre Ermittlungen damals eingestellt. Die zivilrechtlichen Verfahren sind noch nicht abgeschlossen. Wir streiten noch mit der Schiffsseite vor dem Oberlandesgericht in Köln.

Also liegen die Ursachen doch nicht so deutlich klar?

Giefers Aus unserer Sicht wird der Prozess nur verschleppt. Die Gutachten sprechen übereinstimmend eine deutliche Sprache, dass der Fehler auf dem Schiff lag.

Welche Konsequenzen hat Ineos aus dem Unglück gezogen?

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Giefers Wir haben zum Beispiel eine Hotline bei Schadensfällen eingerichtet. Das war notwendig geworden, da unmittelbar nach dem Unglück viele Bürger verunsichert waren.

Wurden die Abläufe oder die Technik an den Tankerbrücken überarbeitet?

Giefers Nein, dazu sahen wir auf Grund der Gutachten keine Veranlassung. Die Experten kamen eindeutig zu dem Schluss, dass auf unserer Seite alles in Ordnung war.

Und auf Seiten der Schiffe?

Giefers Wir haben darauf bestanden, dass die Schiffe nach dem Unglück erheblich sicherer wurden. So sind heute Flammendurchschlag-Sicherungen, Notaus-Systeme und Doppelhüllen Standard. Insgesamt bestehen wir auf zehn zusätzlichen Sicherungen. Dafür zahlen wir auch höhere Tarife an die Reeder.

Hat es weitere Zwischenfälle an den Brücken gegeben?

Giefers Nein, die Brücken arbeiten sicher.

Trotz aller Sicherheitmaßnahmen kam es 2008 fast zu einem Großbrand. Gibt es irgendwelche Parallelen?

Giefers Nein, überhaupt nicht. Beide Schadensereignisse haben nichts miteinander zu tun.

Wie weit ist der Großbrand am 17. März 2008 aufgeklärt?

Giefers Die Gutachten liegen vor. Sie werden jetzt detailliert abgearbeitet. Die Staatsanwaltschaft Köln hat die Verfahren gegen die Mitarbeiter Ende März eingestellt. Damit ist auch hier menschliches Versagen ausgeschlossen.

(NGZ)
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