Dormagen: Aus Leibeskräften Halleluja gesungen

Dormagen : Aus Leibeskräften Halleluja gesungen

In der Neuß-Grevenbroicher Zeitung berichten vier Geistliche aus Dormagen, wie sie Ostern in ihrer Kindheit gefeiert haben. Bei einigen hat sich die Einstellung zum Fest und dessen Bedeutung mit der Zeit verändert.

Die Frage "Was machst Du zu Ostern?" zielt heute nur noch selten auf die Ostermesse oder das Fasten ab, sondern meist auf die bevorzugte Urlaubsregion. Die eigentliche Osterbotschaft, die Auferstehung, gerät dabei oft in den Hintergrund. Zahlreiche Dormagener zieht es aber auch in die Gottesdienste, die überall im Stadtgebiet gefeiert werden. Vier Geistliche aus Dormagen berichten in der NGZ, wie sie als Kinder Ostern erlebt und mit ihrer Familie gefeiert haben.

Klaus Koltermann: Ostereiersuche im Grünen. Foto: Jazyk, Hans (jaz)

Diakon Klaus Stader ist 75 Jahre alt, selbst Vater und Großvater, und erinnert sich noch genau an das Osterfest seiner Kindheit: "Wir haben Ostern in der Nachkriegszeit stets bewusst erlebt. Für die Osternacht war ich zunächst zu klein, aber am Ostermorgen bin ich mit meinen Eltern in die Kirche gegangen." Das sei für ihn in jedem Jahr ein freudiges Ereignis gewesen. "Ich habe aus Leibeskräften das Halleluja gesungen – das weiß ich noch", erinnert sich Stader.

Daniela Meyer-Claus: Viel Zeit mit den Eltern verbracht. Foto: Jazyk, Hans (jaz)

Nach dem Gottesdienst gab es dann ein Frühstück, allerdings ohne Ostereier. Denn die sollten anschließend gesucht – und nach Möglichkeit auch gefunden – werden. "Am Nachmittag unternahm die ganze Familie einen Osterspaziergang, den ich auch als positives und fröhliches Ereignis in Erinnerung behalten habe, ebenso wie die kirchlichen Ereignisse. Vielleicht bin ich auch deswegen Diakon geworden", sagt Klaus Stader. Bis heute treffe sich die ganze Familie am Ostermontag, um gemeinsam zu feiern.

Ingolf Schiefelbein: Als Kind in Österreich Ski gefahren. Foto: Jazyk, Hans (jaz)

Klaus Koltermann, Pfarrer in der Katholischen Kirche Stürzelberg, weiß: "Zu meiner Zeit war Ostern noch nicht kindgerecht. Wir sind mit in die Kirche gegangen, weil es sich so gehört hat, waren aber mehr Zuschauer, als dass wir den Gottesdienst innerlich miterlebt haben", sagt der 48-Jährige. "Heute werden die Kinder einbezogen, das finde ich gut und wichtig." Den Karfreitag hat Koltermann als Tag der Ruhe und Abstinenz in Erinnerung. "Am Vormittag habe ich mit meinen Geschwistern die Eier gefärbt, die wir am Ostersonntag suchen durften. Sie wurden im Grünen versteckt." Ein feierliches Essen habe den Ostersonntag abgerundet.

"Ich habe gute Erinnerungen an das Osterfest in meiner Kindheit. Aber es war schlichter und ruhiger als heute." Daniela Meyer-Claus, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Norf-Nievenheim, erinnert sich überwiegend an verregnete Nordseeurlaube, wenn sie an Ostern denkt: "Ostern war nicht so bedeutend in unserer Familie wie Weihnachten", sagt sie. Am Karfreitag wurden die Eier gefärbt, die am Ostersonntag meist in der Wohnung gesucht wurden. "Meine Schwester und ich haben an den Feiertagen viel Zeit mit unseren Eltern verbracht. Erst als Jugendliche sind wir in die Kirche gegangen und haben die Osternacht und den Ostermorgen zelebriert." Heute ist Ostern für sie das höchste Fest im Kirchenjahr. "Es wird gefeiert wie ein zweites Weihnachten."

Ingolf Schiefelbein ist evangelischer Pfarrer und zuständig für die Bezirke Hackenbroich und Delhoven. Der 55-Jährige ist als Kind in den Osterferien mit seiner Mutter und seiner Schwester stets zum Skifahren nach Österreich gereist. "So hat Ostern im herkömmlichen Sinne in unserer Familie nicht stattgefunden", sagt er. "Das erscheint mir im Nachhinein zwar ungewöhnlich, aber lange war Ostern für mich kein Fest, das riesig gefeiert werden muss." Das habe sich aber verändert, als er von zu Hause auszog, sein Theologiestudium aufnahm und seine Frau Gudrun geheiratet habe und die beiden Kinder auf die Welt gekommen seien: "Wir sind mit unseren Kindern an Ostern in die Kirche gegangen, und so wurde es nach und nach auch für mich zum höchsten Fest."

(vest)
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