Aus für DORV-Zentrum: Initiative für Lebensmittelversorgung in Gohr

Nach Aus für DORV-Zentrum: Gohrer suchen Alternativen zum Dorfladen

Die Bürgerbefragung ergab zu wenig Interesse und Bedarf für einen Lebensmittelladen mit Dienstleistungen in Gohr.

Trotz des großen Untersuchungs-Aufwandes, den die Stadt in das Projekt „Lebensmittelversorgung in Gohr und Broich“ gesteckt hatte, reichte die Beteiligung und das langfristige Interesse der Bewohner nicht aus, um dort ein „DORV-Zentrum“ mit Supermarkt, Dienstleistungen und anderen Angeboten einzurichten. „Die Selbstheilungskräfte in Gohr sind wohl nicht so groß wie erhofft“, kommentierte Bürgermeister Erik Lierenfeld im Stadtrat das Ergebnis der Bürgerbefragung und anschließende Entscheidung der Arbeitsgruppe. Der Aufwand sei jedoch nicht umsonst gewesen, da sich aus den Zusammenkünften und der weiteren Beschäftigung mit der Versorgungslage einige private Initiativen ergeben haben: „Da wird an Fahrdienste, Lebensmitteltransport und sogar an einen kleinen Markt gedacht“, erklärte Lierenfeld, der weitere Unterstützung für Gohr zusagte.

Die Gespräche dazu laufen zurzeit noch. Harald Schlimgen, Fachbereichsleiter Bürger- und Ratsangelegenheiten bei der Stadt Dormagen, ist optimistisch: „Es gibt konkrete Pläne für Einkaufshilfen, gerade für Senioren. Wir hoffen, mit weiteren Angeboten schon ab Mitte Januar 2019 an den Start gehen zu können. Dafür sind wir gerade dabei, die nötigen Ehrenamtler zu rekrutieren“, sagte Schlimgen. Die Gohrer seien durchaus motiviert gewesen, allerdings nicht in dem finanziellen und zeitlichen Maße, um ein DORV-Zentrum aufzubauen, hatte Schlimgen Ende Oktober gesagt.

Denn um die Lebensmittelversorgung und Dienstleistungen für das Bergdorf zu verbessern, hatte die Stadt Dormagen die Einrichtung eines DORV-Zentrums (Dienstleistung und ortsnahe Rundumversorgung) in Gohr überprüft. Nach der Auswertung der Bürgerbefragung und Bedarfsanalyse sollen die Überlegungen nun „vorerst nicht weiterverfolgt“ werden. Von Anfang an hatten die Betreiber der Zentren darauf hingewiesen, dass ein Lebensmittelladen allein keine Chance habe, sondern nur mit Dienstleistungsangeboten gemeinsam die benötigte Kundenfrequenz bringe – und als alles stehe und falle mit dem großem Engagement der Bevölkerung.

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Noch gibt es in Gohr und Broich ein gutes Angebot von Bäcker, Getränkehandel, Hofladen, Café, Post, Bank und Hausarzt. „Diese vorhandenen Betriebe und Dienstleister wollen wir nicht gefährden“, sagte Schlimgen. In den Jahren zuvor hatten die Versuche, einen Supermarkt oder einen Markt an einer Tankstelle zu installieren, keinen Erfolg gehabt, da kein Investor bereit war, das Risiko zu tragen. Daher erinnerte der Bürgermeister noch mal daran, dass das „DORV-Zentrum“ für die Gohrer „auf absehbare Zeit die letzte Chance war, die Lebensmittelversorgung grundlegend zu verbessern“.

In der Ratssitzung wurde die Einstellung der Bemühungen um einen erweiterten Dorfladen zwar bedauert, aber als realistisch eingeschätzt. Schließlich wäre es im nächsten Schritt auch um eine finanzielle Beteiligung der Gohrer am Projekt gegangen. Zudem ließ der mit 285 geringe Rücklauf der Fragebögen, die an alle 948 Haushalte gegangen waren, kein großes Engagement erwarten. „Die Erfahrungswerte, die wir in diesem Prozess der Bürgerbeteiligung gewonnen haben, können wir für weitere Projekte nutzen“, sagte SPD-Ratsherr Martin Voigt.

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