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Dormagen: Aufarbeitung einer Tragödie

Dormagen : Aufarbeitung einer Tragödie

Dormagen (S.M.) In den frühen Morgenstunden des 4. April 2005 ereignete sich an dem eingleisigen Bahnübergang auf der Bundesstraße 9 in St. Peter ein tragischer Unfall.

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft ist die 39 Jahre alte Claudia B. damals mit ihrem Toyota-Corolla ungebremst in den Bahnübergang gefahren und dort mit einer Lokomotive zusammengestoßen. Bei dem Unfall kam die Beifahrerin der Dormagenerin zu Tode. Seit Mittwoch verhandelt das Amtsgericht Neuss gegen Claudia B. wegen fahrlässiger Tötung.

Die Angeklagte wollte sich am Mittwoch nicht zu den Geschehnissen vor etwas mehr als einem Jahr äußern. Richter Gerhard Thelen verlas stattdessen eine Erklärung ihres Rechtsanwalts Axel Thoenneßen, die dieser im Oktober gegenüber der Staatsanwaltschaft Düsseldorf abgegeben hatte. Darin hatte er im Namen seiner Mandantin ausgeführt, dass sie den Unfall zutiefst bedauere und unter dessen Folgen leide.

Gleichwohl sah der Verteidiger "keine strafrechtliche Verantwortung" von Claudia B. Sie habe davon ausgehen müssen, dass sie den Übergang passieren könne, weil die Signalanlage ausgefallen gewesen sei. Bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht ist von entscheidender Bedeutung, ob der Bahnübergang ordnungsgemäß gesichert war.

Denn die Ampel dort war zwischenzeitlich immer wieder außer Betrieb. Die Staatsanwaltschaft hat allerdings mittlerweile ihre Ermittlungen gegen Bedienstete der Bahn eingestellt. Diese sollen nun am kommenden Mittwoch als Zeugen aussagen.

Am 26. April werden dann die Polizei und die Sachverständigen ihre Erkenntnisse beisteuern. Richter Thelen mochte am Mittwoch nicht ausschließen, dass zusätzlich noch ein Ortstermin in St. Peter anberaumt werden könnte.

Am Mittwoch sagten zwei Autofahrer und ein Beifahrer aus, die zum Unfallzeitpunkt gleichfalls an der Bahnschranke anwesend waren. Sie hatten auf der entgegengesetzten Seite des Übergangs gestanden, konnten den genauen Unfallhergang seinerzeit also nicht genau verfolgen. Von einem Bahnbediensteten seien sie jedenfalls mit Hilfe einer roten Lampe gestoppt worden, sagten die Zeugen aus.

Anschließend habe dieser sich in die entgegengesetzte Richtung gewandt. "Wo ist die Ampel?" habe Claudia B. nach dem Unfall geschrien, erinnerte sich einer der Zeugen. Vom Sachverständigen wurde angeregt, zu ermitteln, wie lange die Ampelanlage bereits außer Betrieb war.

(NGZ)