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Dormagen: Auf der Suche nach der Kölsch-Alt-Grenze

Dormagen : Auf der Suche nach der Kölsch-Alt-Grenze

Nur in wenigen Städten gibt es ein Nebeneinander von Kölsch und Alt wie in Dormagen. Doch die Bier-Geschmäcker in den Ortsteilen sind teilweise sehr unterschiedlich. Das hat auch historische Gründe, wie ein Buch-Autor erklärt

Wohl kein Getränk ist in Deutschland mit so vielen Emotionen besetzt wie Bier. Während in Düsseldorf und Köln klar ist, was auf die Theke kommt, ist die Lage in Dormagen verschwommener. Viele Kneipen bieten Kölsch an, aber auch Altbier ist keine Seltenheit. Doch wo genau verläuft die Trennlinie der Biergeschmäcker?

Wer den Hit-Getränkemarkt im Gewerbegebiet Top West besucht, könnte meinen, diese Grenze verlaufe mitten durch das Geschäft. Links steht eine lange Reihe mit Kölsch-Sorten, rechts stapeln sich auf gleicher Länge die Alt-Kästen. "Wir verkaufen aber eindeutig mehr Kölsch", erzählen die beiden Mitarbeiter Timo Reitz und Gerhard Twardowski. Und zwar im Verhältnis 80 Prozent Kölsch zu 20 Prozent Alt. Noch deutlicher sei die Lage beim Fassbier. Ihre Kunden würden am liebsten Reissdorf, Gaffel und Früh trinken. Ein paar Kilometer weiter nördlich, in Stürzelberg, sagen sie, ist die Verteilung wieder anders.

Stürzelberg — eine große Alt-Bastion im Kölsch-geprägten Dormagen? Zumindest bei Blumen und Getränke Bianca Schmidt an der Johannesstraße lässt sich diese These nicht bestätigen. "Auch wir verkaufen mehr Kölsch", sagt die Geschäftsführerin. Rund zwei Drittel des abgesetzten Biers sei Kölner Brauart, der Rest Alt. Pils verkaufe sie kaum. "Früher, vor etwa 15 Jahren, da wurde noch viel mehr Alt getrunken", sagt Bianca Schmidt.

Jemand, der sich intensiv mit der Geschichte und der Verbreitung des Altbiers beschäftigt hat, ist Genno Fonk. Er veröffentlichte 1999 das Buch "Altbier im Alltag — Biergeschichte vom Niederrhein", in den 1970er Jahren arbeitete er in Dormagen. "Die Grenze zwischen Alt- und Kölschtrinkern verläuft auf der linken Rheinseite durch Dormagen, auf der rechten Rheinseite durch Monheim", sagt der Kempener. Die Verteilung der Bier-Geschmäcker sei historisch bedingt. Im Mittelalter seien Neuss und Köln wichtige Bierstädte gewesen, Düsseldorf habe noch keine große Rolle gespielt. Um sich gegen die starke Konkurrenz aus dem Norden abzuschotten, hätten die Kölner die Einfuhr von Bier aus Neuss verboten. Zwei Faktoren hätten später den Aufstieg von Kölsch begünstigt: Das Bier sei günstiger zu produzieren gewesen als Alt. Zudem hätte die helle Farbe an Wein erinnert — und so einen edleren Eindruck erweckt.

Dass Kölsch in manchen Gebieten das Alt verdrängt, hält Fonk für eine normale Entwicklung. Schon immer sei der Absatz der Biersorten schwankend gewesen. "Seinen Höhepunkt hatte das Alt in den 1980er Jahren", sagt der Autor. Auch in der Zeit nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sei das dunkle Bier beliebt gewesen. Die höhere Stammwürze habe es in Zeiten des Mangels ermöglicht, das Alt mit Wasser zu verdünnen, ohne dass der Geschmack vollkommen verloren gegangen wäre.

Wie beliebt Kölsch und Alt sind, kann Thomas Nußbaum täglich beobachten. Sein Landgasthof "Zum Feldtor" in Zons bietet beide Biersorten an. Das Resultat ist eindeutig: "Es wird weniger Alt getrunken", sagt er. Nur wenige Kilometer entfernt, beim Gasthof "Vater Rhein" in Stürzelberg, ist das anders. Franz-Josef Remmer schenkt Alt und Pils aus, den Vergleich gewinnt klar das Alt. Für beide ist klar: Die Grenze zwischen Kölsch- und Altbiertrinker verläuft zwischen Zons und Stürzelberg.

(NGZ/ac)