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Audio-Walk in Dormagen: Auf 30 Stationen mit Musik und Infos durch Zons

Audio-Walk in Dormagen : Mit Schuberts Winterreise durch Zons

Das Festival Alte Musik will auch digital den Tourismus in Dormagen ankurbeln. Speziell für Zons wurde der Audio-Walk mit 30 Stationen eingerichtet.

Das Festival Alte Musik Knechtsteden ist weit über die Grenzen der Stadt Dormagen bei Liebhabern der Barockmusik bekannt und geschätzt. In der Corona-Zeit dürfen nicht mehr so viele Gäste die Konzerte besuchen, trotzdem sorgen die Macher um den Künstlerischen Leiter Hermann Max und den Geschäftsführer Michael Rathmann mit besonderen Aktionen weiterhin dafür, dass mit Musik und Kreativität der Tourismus in Dormagen angekurbelt wird: „Mit einem digitalen Audio-Walk trifft Stadtgeschichte auf Schuberts Winterreise“, erläutert Rathmann das Projekt. Der Audio-Walk ist dauerhaft in der neuen Festival-App abrufbar und startet am Parkplatz Rheintor.

Mit einem Smartphone und der App kann jeder Musik- oder Geschichtsfreund auf den Spuren des rastlosen Wanderers durch das mittelalterliche Zons wandeln. Es gibt eine Reihenfolge von 24 Stationen, an denen Wissenswertes erklärt wird. Sprecher ist Olaf Reitz, die Infos stammen aus Gesprächen mit den Zonser Nachtwächtern. „Die Stationen müssen aber nicht in dieser Reihenfolge abgegangen werden, sondern können jederzeit ganz individuell und auch – mit Karte –  nach eigener Route genutzt werden“, erklärt Nicola Oberlinger, Pressesprecherin des Festivals. „Wenn man die einzelnen Stationen ansteuert, erscheint dazu jeweils das passende Audio zum Abhören.“ An ausgewählten Plätzen – auf dem Wallgraben, am Rheintorvorplatz, auf dem Treidelpfad zum Zwinger, in der Burg und auf der Wiesenstraße – könnten die Nutzer zudem „einem der innigsten Liederzyklen“ lauschen. Die „Winterreise“ von Franz Schubert wird von Veronika Winter (Sopran) und Klaus Heidemann (Klavier) präsentiert. Zusätzlich zur Musik erscheint auch der Liedtext.

Der Audio-Walk, der am Platz vor dem Rheintor beginnt, stimmt die Nutzer auf den Ausflug in die mittelalterliche Zollfeste Zons ein. „Schüler der Düsseldorfer Kunstakademie kommen gerne hier her, um sich vom mittelalterlichen Flair und der Natur im ehemaligen Rheinbett inspirieren zu lassen“, erklärt der Sprecher: „Und so kann man sich auch gut vorstellen, wie der einst wichtige Handelspunkt auch als Handlungsort von Franz Schuberts Winterreise infrage kommt.“

Der Walk startet am Rheintor, führt dann in Richtung Süden über die Rheinstraße zur Burg Friedestrom und von dort westlich über die Schloßstraße mit Abstecher zur Mühle zum Schweinebrunnen. Foto: GRAFIK: MAPCREATOR, OSM, PODTSCHASKE

Die Besucher, die alle 24 Stationen und die sechs musikalischen Stationen abhören und genießen möchten, sollten Zeit und Muße mitbringen, durch die schönen Zonser Altstadtgassen und um die Stadtmauer herum zu gehen.

Denn die Mauern des mittelalterlichen Rheintors, die Kapelle der heiligen Dreifaltigkeit und der Treidelpfad entlang der Stadtmauer lohnen einen zweiten Blick. „Bevor es Dampfmaschinen gab, wurden auf ihm die Schiffe von Pferden den Rhein hinauf gezogen“, informiert der Sprecher, der auch auf die Statue des Kölner Erzbischofs Friedrich von Saarwerden hinweist, der 1372 entschied, dass die Schiffe auf dem Rhein von nun an in Zons einen Zoll zahlen sollten: „Ein Jahr später erhielt Zons die Stadtrechte.“ 15 Jahre brauchten die Zonser zur Errichtung des heutigen Festungsbaus.

 Um den Rheinturm herum stehen viele alte Bürgerhäuser. „Hier haben wir teilweise Keller mit großen Tonnengewölbe, in denen wahrscheinlich Handelswaren gelagert wurden“, erklärt der Sprecher. Und in den Fundamenten gehen die Häuser teilweise noch nah an den Zeitraum der Stadtgründung zurück.

Intensiv wird sich auch den oktogonalen Wachtürmchen, den Pfefferbüchsen gewidmet: „Diese Pfefferbüchsen hat der Kunsthistoriker Paul Clemen einst als das fidelste Gefängnis des Rheinlands bezeichnet. Man hat hier Diebe, Landstreicher und Trunkenbolde eingebuchtet. Die Bewachung war allerdings nicht sonderlich streng.“ An der Rheinstraße befinden sich bis heute die prächtigsten Bürgerhäuser von Zons. Man hat den Rheinblick schon früh zu schätzen gewusst. Nachdem Zons im 19. Jahrhundert seine Funktion als Zollstadt und Wachtposten verloren hatte, fiel die Stadt in einen Dornröschenschlaf, bis sie als rheinisches Rothenburg geweckt wurde.

Der Gang führt zum ehemaligen Marktplatz, zum Spritzenhaus, auch zu den Kopfweiden außerhalb der Mauer, zu Schloss Friedestrom mit der Burganlage und dem Kreiskulturzentrum. Zu sehen sind der Juddeturm, der ein ehemaliges Verlies beinhaltet, die Freilichtbühne Zons, die 1935 im ehemaligen Zwinger errichtet wurde, und die Pfarrkirche St. Martinus. Auch über die Windmühle und den Schweinebrunnen wird faktenreich informiert.