Archiv und Heimatfreunde erinnern in Zons an Reichskanzler Wilhelm Marx

Kreismuseum Zons : Archiv und Heimatfreunde erinnern an Reichskanzler Wilhelm Marx

Wilhelm Marx hatte einst höchste politische Ämter inne – und ist heute dennoch weithin vergessen: Der gebürtige Kölner war Vorsitzender der Zentrumspartei und zwischen 1923 und 1928 vier Mal Reichskanzler.

Mit im Ganzen gut drei Jahren Amtszeit war er der am längsten amtierende Reichskanzler der Weimarer Republik. Im späten Kaiserreich hat er den Wahlkreis Neuss-Grevenbroich-Krefeld (Land), zu dem auch das Gebiet der heutigen Stadt Dormagen gehörte, zwischen 1899 und 1918 im Preußischen Abgeordnetenhaus vertreten.

Der ehemalige Reichskanzler der Weimarer Republik, Wilhelm Marx. Foto: Jan Rehm

Im Gewölbekeller von Burg Friedestrom erinnerten das Kreisarchiv und die Kultur- und Heimatfreunde  Zons im Rahmen eines historischen Abends an den vergessenen Reichskanzler. Den Anstoß zur Veranstaltung gab Jan Rehm (Düsseldorf). Er erläuterte den gut 50 Besuchern, unter denen sich auch Nachfahren des ehemaligen Reichskanzlers befanden, wie er unlängst ein großformatiges Porträtgemälde ersteigert hat, welches sich nach einiger Recherche als das 1924 im Staatsauftrag gefertigte Bildnis von Wilhelm Marx aus der Hand des Kunstmalers Wilhelm Ritterbach (1878 – 1940) entpuppte. Prägend für Wilhelm Marx war sein tiefkatholisches Elternhaus. Unter anderem anhand von Berichten aus seiner eigenen Familie, die mit der Familie Marx diverse Berührungspunkte aufwies, erläuterte Wolfgang Heinrichs (Zons) den familiären Hintergrund des späteren Reichskanzlers. „Wie selbstverständlich nahm Marx eine von katholischem Glauben und Pflichterfüllung geprägte Denk- und Handlungsweise in sich auf.“

Diesen Aspekt griff auch Archivleiter Stephen Schröder in seinem Vortrag über den Politiker Wilhelm Marx auf. Schröder machte deutlich, dass Marx keines seiner politischen Ämter von sich aus aktiv angestrebt. Vielmehr habe er sich immer wieder in die Pflicht nehmen lassen, für die Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen. Diese Haltung habe Marx, der als Mann der politischen Mitte und des Ausgleichs gegolten habe, bis zur Reichskanzlerschaft geführt. Zu seinen größten politischen Erfolgen zählte u. a. die vorläufige Regelung der Reparationsfrage durch den sogenannten Dawesplan 1924 und die damit verbundene Räumung des besetzten Ruhrgebiets.

(schum)
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