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Dormagen: Anti-Gewalt-Projekt startet in Dormagen

Dormagen : Anti-Gewalt-Projekt startet in Dormagen

Das web-basierte Gewaltpräventions-Programm "Cool and Safe" feierte gestern seine Deutschlandpremiere an der Salvator-Grundschule in Dormagen. Kindern soll das interaktive Training helfen, keine Opfer von Gewalt zu werden.

Für den Start des Gewaltpräventions-Programms "Cool and Safe", das Kinder im Umgang mit brenzlichen Situationen schulen soll, kann sich Hubert Vitt keine geeignetere Stadt als Dormagen vorstellen. "Dormagen hat einen sehr guten Ruf, was die Kinderfreundlichkeit angeht. Wir haben hier schon vieles auf die Beine gestellt", sagte der Vize-Präsident der Organisation "International Police Association" (IPA) gestern bei der Vorstellung des Projektes in der Salvator-Grundschule. Nach Luxemburg ist Dormagen die erste Stadt in Deutschland und die zweite Stadt überhaupt, in der das Programm des Vereins "Schule machen ohne Gewalt" (SMOG) vorgestellt wurde.

Testen durften es im Vorfeld die Kinder der Grundschule. Joshua und Justin waren die Ersten, die es komplette zu Ende "gespielt" haben. "Es ist eine Mischung aus Spiel und Ernst, hat aber viel Spaß gemacht", berichten die beiden Zehnjährigen. Bei "Cool and Safe" gilt es, fünf Module zu bestehen. "Die Kinder sehen in 44 Filmchen und vielen Fotos verschiedene Situationen und sollen sich entscheiden, wie man richtig reagiert", erklärt SMOG-Geschäftsführerin Heide Aust. Dabei geht es um Missbrauch und Mobbing im Internet, den Umgang mit Fremden, unangebrachten Körperkontakt, Gewalt und Vertrauen.

Einige Filme spiegeln dabei durchaus bedrückende Situationen wider, etwa, wenn ein Mädchen beobachtet, wie ihr Schulfreund von einem Fremden in eine dunkle Ecke gezogen wird. "Die Kinder sollen lernen, dass sie in solch einer Situation die Polizei rufen sollten", erklärt Aust. Obwohl die Szene etwas beängstigend ist, sei sie für die Zielgruppe der Sieben- bis Zehnjährigen geeignet. "An dem Projekt war ein Ethik-Rat bestehend aus Fachleuten, Kirchenvertretern und einem Kinderpsychologen beteiligt. Wir wollten sicherstellen, die Kinder nicht zu ängstigen, sondern sie in der richtigen Entscheidung zu bestärken", sagt Aust. Joshua und Justin bestätigen: "Wir hatten keine Angst. Und wir kennen jetzt die Nummer der Polizei."

Das Programm ist kostenlos im Internet abrufbar und für jeden frei zugänglich. Lediglich ein Nickname ist erforderlich, und schon kann es losgehen. Begleitet werden die Kinder von dem Comic-Känguru Smoggy. Dadurch, dass es Zusatzmaterial für Lehrkräfte gibt, kann das Programm in den Unterricht der Grundschulen eingebunden werden. "Wir wollen versuchen, das Programm hier bis zu den Sommerferien allen Viertklässlern, danach den Drittklässlern zur Verfügung zu stellen", erklärt Gabriele Neu, Schulleiterin der Salvator-Grundschule. Etwa 120 Minuten dauert es, das Programm durchzuspielen — also rund vier Unterrichtsstunden.

Zweieinhalb Jahre dauerte die Umsetzung von "Cool and Safe". "Wir denken, dass wir damit ein innovatives und kindgerechtes Programm geschaffen haben", sagt Aust. Positiv reagierten auch die eingeladenen Gäste aus der Schulverwaltung, die selbst einmal das Programm ausprobieren durften. Hubert Vitt, der auch Vorsitzender des Fördervereins der Salvator-Grundschule ist, freut sich, dass das Projekt dort gestartet ist. "Wir sind damit in Dormagen Vorreiter und stolz darauf." Gabriele Neu freut, dass das Programm für die Schulen ohne Kosten genutzt werden kann.

Das Programm ist für Eltern, Lehrer und Schüler kostenfrei und in zwei Sprachen (Deutsch und Französisch) im Internet zu finden unter www.coolandsafe.eu

(NGZ/rl)