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Dormagen: Angst vor höherem Wasserpreis

Dormagen : Angst vor höherem Wasserpreis

Sinkende Bevölkerungszahlen könnten künftig die Abwassergebühren verteuern. In dünn besiedelten Regionen hat der Städte- und Gemeindebund diese Problematik erkannt. Auszuschließen ist der Trend auch in Dormagen nicht.

Weniger, bunter, älter — geht es nach Martin Lehrer, Sprecher beim Städte- und Gemeindebund NRW, muss dem Leitspruch der Demografie bei den Abwassergebühren auch ein "teurer" hinzugefügt werden. "In vielen Regionen stehen inzwischen Einfamilienhäuser einer Generation leer, die langsam ausstirbt", hatte Lehrer im NGZ-Gespräch gesagt. Die Leitungssysteme für das Abwasser seien nicht mehr ausgelastet und müssten häufiger gereinigt werden. Zudem müssen sich weniger Haushalte die Gebühren untereinander aufteilen.

Hackenbroich schrumpft stark

Zwar trifft dieses Phänomen eher dünn besiedelte Gegenden wie die Eifel, auszuschließen ist dieser Trend indes auch in Dormagen nicht. Die Demografie-Beauftragte Kerstin Belitz: "Dieses Problem entsteht zum Beispiel dann, wenn in einem Haushalt erst vier und später nur eine Person wohnt." Betroffen sein könnten davon ganz bestimmte Stadtteile, Hackenbroich und Hackhausen etwa: Dort soll die Einwohnerzahl um 1398 oder 17 Prozent zurückgehen. Doch auch Ückerath (- 13 Prozent) und Straberg (- 9 Prozent) kämpfen mit einer schwindenden Bevölkerung.

Thomas Wedowski von der Stadtentwässerung versucht die Wogen ein wenig zu glätten: "Die Kanäle sind gut ausgelastet, wenn bis zum Jahr 2025 3000 Einwohner in Dormagen leben, ist das nicht so schlimm." Eine Rolle spielt zudem die Art der Kanäle: In vielen Stadtteilen Dormagens wird das Abwasser in so genannten Mischsystemen mit dem Regenwasser entsorgt. Der Regenwasseranteil ist dabei deutlich größer. "Trennsysteme gibt es in Delhoven, Horrem oder in neuen Baugebieten", erklärt Wedowski —aber auch im schrumpfenden Hackenbroich.

In den vergangenen beiden Jahren ist zudem auch die Schmutzwassergebühr in Dormagen gestiegen, von 1,77 Euro pro Kubikmeter Frischwasser (2010) auf 1,88 Euro (2011), schließlich auf 1,96 Euro (2012). Im Kreisvergleich steht die Stadt damit immer noch gut da. Nach den Zahlen der vom Bund der Steuerzahler (BdSt) NRW veröffentlichten Statistik für 2011 müssen insbesondere die Haushalte in Rommerskirchen (981,10 Euro bei einem Frischwasserverbrauch von 200 Kubikmetern bei 130 Quadratmetern voll versiegelter Fläche) und Neuss (760,80 Euro) tief in die Tasche greifen; Dormagen liegt mit 515,10 Euro im unteren Bereich. Die Zahlen des BdSt für das Jahr 2012 werden heute vorgestellt.

Ob die Preise in Dormagen ansteigen, entscheidet Ende des Jahres der Verwaltungsrat der Technischen Betriebe. "In der Regel", sagt Thomas Wedowski, "geschieht das im Dezember."

(NGZ)