Analyse zur Umbenennung der Carl-Duisberg-Straße: Reizthema Umbenennung

Analyse : Reizthema Umbenennung

Analyse Die Politik hat vor ihren Beschluss zur Straßenumbenennung eine Anwohnerbefragung vorgeschaltet, deren Ergebnis erwartbar war

Mit Straßennamen werden Persönlichkeiten geehrt, die sich um die Stadt, das Land oder Bereiche wie Wissenschaft, Kunst oder Sport verdient gemacht haben. Problematisch wird es, wenn sich diese Namensgeber später als nicht ehrenwert, gar als Mörder oder Diktatoren herausstellen. Dann wird eine Umbenennung der Straße diskutiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in Deutschland viele Adolf-Hitler-Straßen in Hauptstraße und andere nicht mehr auf die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten hinweisende Namen geändert. In Dormagen geht es jetzt seit rund vier Jahren um die Umbenennung der Carl-Duisberg-Straße, die nach dem Industriellen und Mitgründer der IG Farben (später Bayer) Carl Duisberg (1861-1935) benannt wurde. Das hatten Bündnis 90/Die Grünen und Piraten/Die Linke in zwei Anträgen 2015 gefordert, da sie ihn für einen Kriegsverbrecher und den „Vater des Giftgas-Krieges“ halten, wie die Grünen jetzt noch einmal formulierten.

Damals einigte sich die Politik darauf, nach einer geschichtlichen Einordnung durch Experten, die sich weder für noch gegen eine Umbenennung aussprachen, zuerst die betroffenen Anwohner zu befragen, so dass eine Beschlussfassung aufgeschoben wurde. Das Ergebnis liegt nun vor – und überrascht nicht: Die Bewohner, die sich im April auf die Umfrage der Stadt rückgemeldet haben, sprechen sich mit großer Mehrheit (90 Prozent) gegen eine Umbenennung aus. Kein Wunder: Schließlich würde das eine Vielzahl an Änderungen bei Ämtern, Versicherungen, Arbeitgebern und anderen Stellen bedeuten.

Nun muss sich die Politik im zuständigen Planungs- und Umweltausschuss am Mittwoch, 26. Juni, ab 18 Uhr im Ratssaal entscheiden: Folgt sie den Anwohnern, wie es die Verwaltung vorschlägt, wird nicht umbenannt – und auch keine Erläuterungstafel zur Person Carl Duisbergs aufgestellt, was die Anwohner ebenfalls mehrheitlich abgelehnt hatten. Oder sie geht auf den Vorschlag von Bündnis 90/Die Grünen ein, die eine solche Hinweis-Tafel „für das Minimum“ halten.

Da ist Fingerspitzengefühl gefragt. Ob die Bewohner aus Bequemlichkeit oder wegen „suggestiver Fragetechnik“, wie die Grünen meinen, gegen eine Tafel sind, lässt sich nur vermuten. Ob jemand gern an einer Straße wohnt, deren Namensgeber als Kriegsverbrecher auf einem Schild bezeichnet wird, ist jedoch unwahrscheinlich.

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