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Analyse zur geplanten Gründung einer UWG in Dormagen

Suche nach Zielgruppe : Analyse zur geplanten Gründung einer UWG in Dormagen

Die Unabhängige Wählergemeinschaft, kurz UWG, will in Dormagen Fuß fassen.

Ein halbes Jahr vor  der Kommunalwahl will die in anderen Rhein-Kreis-Kommunen durchaus erfolgreichen Freien Wähler dort durchstarten, sie sehen den Bedarf für eine politische Alternative, „frei von äußeren Zwängen“, wie Kreis-Chef Carsten Thiel sagt.

Wer aber käme als potenzielle Zielgruppe für eine Freie Wählergemeinschaft überhaupt in Frage? Zum Beispiel diejenigen, die sich ohnehin schon im vorpolitischen Raum betätigen. Das sind Bürgerinitiativen, das sind aber auch Gruppierungen, die nur für ganz spezielle Themen zusammenkommen. Oder einfach nur politisch interessierte Menschen, die gerne aktiv im Kreise von Gleichgesinnten etwas bewegen wollen. Auch teamfähige Freigeister kann die UWG ansprechen. Der Schritt nach vorne in die erste politische Reihe ist für die Bürgerinitiative Lebenswertes Delrath (B.I.L.D.) kein Thema. Ihr Sprecher, Nikolaus Wiesenberger, sagt: „Wir verstehen uns als eine überparteiliche Initiative. Wir wollen nur sachliche Arbeit und sehen das Erreichen unserer Ziel als das Hauptanliegen an.“ Zudem, erklärt Wiesenberger, sei man eine „örtliche Initiative“, die sich um die Dinge in und um Delrath herum kümmere.

Etwas anders sieht es bei der Natur- und Umweltschutz-Initiative „Rhein-clean-up“ aus, die sich seit zwei Jahren von einer Eine-Frau-Aktion zu einer beachtlichen Bewegung entwickelt hat. Deren Motor, Karin Schwanfelder, sagt mit einem Lachen, dass sie schon mit dem Gedanken gespielt habe, eine „Clean-up-Partei“ zu gründen. Mehr ist noch nicht daraus geworden, aber für völlig abwegig hält die Gründerin ein Engagement in einer Partei oder einer Wählergemeinschaft offenbar nicht. Es gäbe weitere Beispiele.

Was würde die Gründung einer UWG in Dormagen und für das vorhandene politische System bedeuten? Gelänge eine Gründung, so würde sie in unterschiedlichen Wählergruppen wildern: von den beiden „großen“ Parteien über die Grünen bis hin zum Zentrum. Ohnehin wird die Zusammensetzung des Stadtrates nach der Kommunalwahl sehr wahrscheinlich ein deutlich anderes Bild ergeben. Aus unterschiedlichen Gründen: Es spricht einiges dafür, dass die nach dem Weggang des kreativen „Ober-Pirat“ Rafael Kazior personell geschwächten Piraten in Dormagen keine besondere Rolle mehr spielen werden. Ähnliches gilt auch für die Linken, die gleichwohl eine (geringe) Stamm-Wählerschaft hinter sich wissen. Zuletzt unklar war auch, wie es mit Ein Herz für Dormagen (EHFD) und dem Freien Demokratischen Bund (FDB) weitergeht, die mit jeweils einem Mitglied im Stadtrat vertreten sind und eine Fraktionsgemeinschaft bilden. Mit einem Einzug der AfD, bei der FDB-Mitglied Markus Roßdeutscher 2015 ausgetreten ist,  in den neuen Dormagener Stadtrat ist zu rechnen.

Wie realistisch ist das Vorhaben der UWG? Das Hauptproblem ist die fehlende Vernetzung der UWGler. Sie räumen offen ein, dass sie kaum Ansprechpartner in Dormagen haben. Wie bei allen Projekten braucht es eine Speerspitze, jemanden, der voran geht und sich kümmert. Finden sich mehr als eine Handvoll Interessierte, so müssen sie sich zunächst einen inhaltlichen Rahmen geben und sich auf eine politische Leitlinie einigen. Das kann bei Freien Wählern leichter gelingen als bei einer Partei mit klassischen Strukturen. Vielleicht entschließt sich auch der ein oder andere, sich politisch zu engagieren, weil er befürchtet, dass das Interesse, das aktuell Vertreter etablierter Parteien an ihnen zeigen, nach der Kommunalwahl abrupt versiegt.