Analyse zu Schule und Finanzen in Dormagen

Analyse zu Schule und Finanzen in Dormagen : Ratlos im XXL-Sanierungs-Stau

Die Kritik von Eltern am Umgang von Politik und Stadt mit maroden Schulen ist berechtigt. Es fehlt die Kreativität.

In den beiden letzten Super-Sommern waren Klimageräte Mangelware, für zu Hause und in Büros wurde dringend  Kühlung gesucht, damit die alltäglichen Dinge in einigermaßen erträglicher Atmosphäre erledigt werden konnten. Davon konnten Schüler in Dormagen nur träumen. Sie saßen in völlig überhitzten Unterrichtsräumen mit Temperaturen bis zu 47 Grad, büffelten Mathe oder Vokabeln und versuchten, irgendwie den Tag zu überstehen. Wer jetzt leichthin sagt, die sollen sich mal nicht so anstellen, so schlimm kann es nicht gewesen sein, für den halten die Verantwortlichen am Leibniz-Gymnasium handfestes Datenmaterial bereit.

Über einen Zeitraum von mehr als zwei Monaten hat die Schule an mehreren Stellen in verschiedenen Klassenräumen die Raumtemperaturen gemessen. Die Ergebnisse sind erschreckend und beispielhaft auch für andere Schulen. Erschwerend kommt hinzu, dass es weder Sonnenrollos gibt, noch die Möglichkeit, Fenster zu öffnen, weil diese zugeschraubt sind... Unter solchen Bedingungen lässt ein Gemeinwesen seinen Nachwuchs lernen?

Das ist aber nur ein Baustein im Dormagener „Sanierungsstau-Puzzle“, das nur im XXL-Format zu haben ist. Es gleicht einem Wunder, wie geduldig Schüler, Eltern und Lehrer die Umstände an den Arbeitsplätzen Schule ertragen. Ist es Tapferkeit, Gleichmut oder Hoffnungslosigkeit?

In wenigen Tagen sind Bürger aufgerufen, an einem „Masterplan“ für die Innenstadt mitzuarbeiten. Ein interessantes und sicher wichtiges Thema. Seit Jahren läuft das Umbauprogramm für zig Sportplätze in der Stadt, wo die Ortsteile schicke Kunstrasenplätze erhalten. Auch das ist gut. Aber die Stadteltern, Vertreter der Eltern aller Schulen, regen an, doch einmal über die Prioritätensetzung in der Stadt nachzudenken. Überschrift: „Was ist wirklich wichtig?“ Schule belegt ihrer Meinung nach dabei keinen Spitzenplatz.

Es wurde in dieser Woche viel geredet über Schulen, Sanierung, Neubauten. Aber richtig zufrieden war kaum jemand. „Es fehlt die Idee, das Gesamtpaket zu händeln“, zeigte sich auch die agile schulpolitische Sprecherin der CDU, Carola Westerheide, ratlos. Da geht auch die Verwaltung nicht innovativ voran. Beispiel eins: Wenn in Hackenbroich die Realschule für 26 Millionen Euro neu gebaut wird und am benachbarten Leibniz-Gymnasium ein Reparatur- und Erweiterungsvolumen von 16 Millionen Euro besteht – warum wird nicht der Bau von zwei Schulen zumindest diskutiert? Beispiel zwei: Wenn an einigen Grundschulen Fach- und Betreuungsräume fehlen und das Schulgelände zu klein ist, warum wird nicht wenigstens einmal die Frage aufgerufen, an einem „neutralen“ Standort eine neue, hochmoderne Grundschule für zwei oder drei Ortsteile zu bauen?

Zurzeit wird an der Bahnhofstraße die Sekundarschule so verändert, dass sie für sehr viel Geld – so wird gesagt – die modernste Schule im Rhein-Kreis Neuss sein wird. Eine Schule, die so wenig nachgefragt wird, dass jedes Jahr Schüler zwangsweise dorthin geschickt werden. Eine Schule, an der es anfangs nur ein paar Reparaturen geben sollte. Da können die Leibniz-Schüler, wenn sie nächstes Jahr dort vorbei gehen, nur weinen. Es stimmen einfach die Relationen zu den etablierten Schulen nicht. Das Schlimme: Es fehlt den Beteiligten an Mut, Kreativität und echter Diskussionskultur. Beispiel: Es gibt einen speziellen Arbeitskreis Schule. Dem wurde unlängst der umstrittene „Zukunftsplan Schule“ präsentiert. Darüber diskutiert wurde bis heute nicht. Jede Fraktion rührt bis dato in seiner eigenen Suppe. Dass die Große Koalition mit CDU und SPD in vielen Themen nicht auf einer Welle segelt, hilft, nebenbei gesagt, der Sache nicht.

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