Dormagen: Analyse weist Deichmängel nach

Dormagen : Analyse weist Deichmängel nach

Deichgräf Eduard Breimann hat gestern die Ergebnisse der "Sondierung II" vorgestellt. Der Verdacht ist nun Gewissheit: Die Deichanlage ist an vielen Stellen defekt. Erstmals besitzt der Deichgräf eine präzise Mängelliste.

Die Bilder, die Eduard Breimann zwischen Juni und Oktober von der Deichanlage geschossen hat, sprechen eine deutliche Sprache. Der Deichgräf hat fehlende Verbindungsstücke fotografiert, poröse Betonkerne und Klinkerwände, aus deren Ritzen bereits das Unkraut sprießt. Gestern hat Breimann die Ergebnisse der so genannten "Sondierung II" vorgestellt. Der Deichverband hat mit Unterstützung zahlreicher Firmen das Bauwerk zwischen Zons und Uedesheim inspiziert und Mängel in sechs Aktenordnern festgehalten. Rund 250 000 Euro hat die Analyse der rund vier Kilometer langen Deichanlage gekostet.

250 000 teure Analyse

Breimanns Fazit: "Man muss es klar sagen, zwischen 1997 und 2001 ist eine Menge Murks gemacht worden." Neu ist das nicht, doch erstmals haarklein mit allen Schwachstellen dokumentiert.

Die Ergebnisse sind technisch durchaus komplex: Erhoben wurden geodätische, geotechnische und tragwerkplanerische Daten. Das heißt etwa: Einzelne Deichabschnitte können zentimetergenau erstmals per GPS-Position eingegrenzt werden.

Die Mängelliste klingt erschreckend: Klinkerwände sind nicht ausreichend verdichtet worden; in den Beton ist teilweise Klinkerschutt gemischt worden; in der Stahlbetonkaimauer am Industriehafen UCT sind Risse entdeckt worden; teilweise wurde nicht wie zugesagt rostfreier Stahl benutzt. Dennoch sagt der Deichgräf: "Der Deich ist mittelfristig sicher."

Das hätten auch die Test in der Vergangenheit gezeigt. Eine Gefahr droht auch nach den Worten von Gottfried Koch, stellvertretender Deichgräf und Chef der Technischen Betriebe Dormagen, nicht: "Der Erddeich ist in Ordnung, die Spundwände sind okay." Breimann hofft nun, im Verfahren gegen die vom damaligen Deichgräf Johannes Steffen beauftragten Firmen Schule (Ingenieurbüro) und die niederländische Heijmanns Argumente gesammelt zu haben. "Wir werden alle juristischen Möglichen ausschöpfen", so der Deichgräf.

Der vom Gericht beauftragte Gutachter indes tüftelt schon seit 2005 an seinem Ergebnis. Und selbst wenn das Gutachten fertig gestellt ist, folgen Klageverfahren und Regressverfahren. Das wird noch eine Menge Zeit in Anspruch nehmen. Breimann, der auf Zuschüsse vom Land hofft, weiß auch: "Wir stecken in der Zwickmühle, wir müssen die Sanierung mittelfristig angehen, denn von der Sicherheit der Anlage sind in Dormagen 22 000 Menschen abhängig."

Die tatsächlichen Kosten dafür sind heute noch ungewiss.

(NGZ/rl)