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Dormagen: Ambulante Psychiatrie in Dormagen ausgelastet

Dormagen : Ambulante Psychiatrie in Dormagen ausgelastet

Mobbing, Burn-Out oder ein Schlaganfall kann zu Depressionen oder Ängsten führen. Das merkt die Tagesklinik St. Luzia am großen Zulauf.

"Wir wollen nicht, dass unsere Patienten Schwellen überwinden müssen, um zu uns zu kommen", erklärt Dr. Horst Neues, Leitender Arzt der Klinik, einer Außenstelle der St.-Augustinus-Kliniken Neuss. Im gleichen Gebäude wie die Notfallpraxis, in unmittelbarer Nähe zum Kreiskrankenhaus Dormagen beheimatet, ist die Ambulanz und Tagesklinik St. Luzia Dormagen ebenerdig zu erreichen. Die Patienten in den hell und freundlich eingerichteten Räumen der Tagesklinik spüren gleich, dass sie willkommen sind. Dort werden die zwölf bis 13 Erkrankten psychiatrisch begleitet, machen Psycho-, Ergo-, Musik- und Gruppentherapie, dazu viele Einzelgespräche. Abends gehen sie dann nach Hause zu ihren Familien.

"Was wir tun, ist Beziehungsarbeit mit langem Atem, manchmal sogar Lebensbegleitung", sagt Dr. Neues, der heute 60 Jahre alt wird. Für seine Patienten ist er auch per SMS erreichbar: "Jeder Patient ist mir wichtig, so erfahren sie, dass jemand nach ihnen schaut", betont Neues die große Bedeutung der menschlichen Wärme.

Vor fast sieben Jahren hat er die Tagesklinik in Hackenbroich mit aufgebaut, außer ihm und der Leitenden Psychologin Laura Dehne gehören noch drei weitere Ärzte zum Team der ambulanten Psychiatrie St. Luzia.

In dieser Zeit waren die Therapieplätze immer gut belegt, inzwischen hat die Resonanz sogar noch zugenommen. Allerdings haben sich weniger die Krankheitsbilder, sondern eher die Diskussionen darüber verändert, wie Dr. Neues erklärt: "Depressionen können genetisch bedingt sein, oder von Ereignissen oder von anderen Krankheiten wie einem Schlaganfall ausgelöst werden." Ein Zusammenbruch komme oft urplötzlich, sei nicht vorhersehbar. Burn-Out an sich sei keine Erkrankung, nur die oft dahintersteckende Depression. "Bei Mobbing-Opfern und Burn-Out-Syndrom-Patienten schauen wir aber genauso wie bei allen anderen Erkrankten auf den Einzelfall", weist Neues darauf hin, dass es bei ihm keine "Krankschreibung für alle Ewigkeit" gebe. Das gefalle den Patienten nicht immer, weiß der erfahrene Arzt, der seit 26 Jahren für die St.-Augustinus-Kliniken arbeitet.

"Generell nimmt der Druck in vielen Lebensbereichen zu und schürt Ängste", hat Psychologin Laura Dehne festgestellt: "Im Job und Privatleben wird viel verlangt, Familien brechen auseinander, Arbeitslosigkeit bedeutet Existenznot — das verkraftet jeder unterschiedlich gut." Genauso individuell wird die Therapie und Medikation festgelegt.

Bevor ein Patient mit einer Überweisung vom Hausarzt in der Tagesklinik St. Luzia aufgenommen wird, spricht Dr. Neues persönlich mit ihm. Mit den niedergelassenen Ärzten, dem Kreiskrankenhaus und mit dem psychiatrischen Zentrum in Neuss arbeitet die Tagesklinik St. Luzia Hand in Hand, für Patienten ist es angenehm, für Untersuchungen das benachbarte Kreiskrankenhaus aufsuchen zu können. Dort liegende Patienten mit psychischen Problemen werden von Dr. Neues mit betreut. "In Dormagen arbeiten wir gut zusammen", lobt Neues, der Patienten bei Bedarf auch an eine Reha oder Schuldnerberatung vermittelt: "Wir stellen Weichen für ein besseres Leben."

(NGZ)