Dormagen: Ambulante Pflege stark gefragt

Dormagen: Ambulante Pflege stark gefragt

In Dormagen sind die ambulanten Pflegedienste eine gute Ergänzung, so dass alte und kranke Menschen ihren Alltag möglichst selbständig bewältigen. Das Diakonische Werk und der Caritasverband bieten "Häusliche Pflege" an.

Wenn die Mutter plötzlich durch eine schwere Krankheit ausfällt, stehen ihr Mann und ihre Kinder vor der großen Aufgabe, ihren Alltag und Haushalt neu zu organisieren. "Bei Krebserkrankungen oder einer anderen schweren Erkrankung greifen unsere Pflegekräfte den Familien unter die Arme", erläutert Sandra Effertz, Pflegedienstleiterin der Diakonie Pflegestation.

Doch nicht nur junge Familien sind Kunden bei der "Häuslichen Pflege", auch Senioren und Kranke werden von 18 examinierten Mitarbeitern im ambulanten Diakonie-Dienst betreut. 2011 wurden 220 Männer und Frauen insgesamt 28 310 Mal zu Hause besucht. "In regelmäßiger Versorgung hatten wir 90 Kunden", erläutert Effertz: "Das vorrangige Ziel ist es, die Selbständigkeit der Kunden so weit wie möglich zu erhalten oder wieder herzustellen."

Die Dienstleistungen reichen vom Versorgen offener Wunden über das Setzen von Insulinspritzen bis zu Hilfen bei der Körperpflege oder im Haushalt.

Auch beim Caritasverband wird "Häusliche Pflege" stark nachgefragt. Im Bereich der Familienpflege, bei dem Familien mit Kindern unter zwölf Jahren unterstützt werden, wenn die Eltern die Versorgung nicht mehr leisten können, gibt es ebenfalls viele Anfragen. 2011 konnten die kreisweit sechs qualifizierten Familienpflegerinnen und zwei Mitarbeiterinnen im Anerkennungsjahr von 123 Anfragen insgesamt 58 Familien mit 116 Kindern helfen.

Das Problem bei der Vermittlung ist die Kurzfristigkeit, wie Meike Braß, Fachbereichleiterin Familie und Jugend bei der Caritas in Dormagen, erläutert: "Die Anfragen kommen schnell, da müssen wir auch schnell reagieren", weist sie zum Beispiel auf Risiko-Schwangerschaften hin, bei der nicht wochenlang auf eine Familienpflegerin gewartet werden kann.

Auch wenn die Nachfrage nach ambulanter Hilfe groß ist, nutzen nach Sandra Effertz' Meinung noch zu wenige Haushalte die so genannte Verhinderungspflege: "Die Pflegekasse zahlt für pflegende Angehörige eine vierwöchige Überbrückung pro Jahr", weist die Diakonie-Pflegedienstleiterin auf den Anspruch hin. Jedoch würden viele Angehörige den Anspruch aufschieben, um für "Notfälle" gerüstet zu sein. "Dabei brauchen pflegende Angehörige selbst Entlastung."

Die Abschaffung des Zivildienstes hat die ambulante Pflege der Diakonie schwer getroffen: "Durch den Wegfall der Zivis konnten wir einige Kunden nicht besuchen", erklärt Sandra Effertz. Zwar gebe es ein paar ehrenamtliche Helfer, aber damit könne die Lücke nicht kompensiert werden. "Bufdis wären uns hoch willkommen", sagt die Pflegedienstleiterin.

(NGZ/rl)
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