1. NRW
  2. Städte
  3. Dormagen

Dormagen: Alter Bahnhof zum Verkauf

Dormagen : Alter Bahnhof zum Verkauf

Die Stadt plant den Verkauf des Alten Bahnhofs Nievenheim. Einen Interessenten gibt es bereits. Der Fortbestand von Schießstand und Gaststätte soll vertraglich geregelt werden. Die jetzige Pächterin fürchtet indes um ihre Existenz.

Vor vier Jahren hat Anette Herrig (51) einen Bund fürs Leben geschlossen. Die Wirtin pachtete den "Alten Bahnhof Nievenheim" vom Getränkelieferanten Lütticke & Tschirschnitz (L & T), der seinerseits das Gebäude langfristig von der Stadt Dormagen gepachtet hat. Das gutbürgerliche Restaurant sollte sie bis zur Rente tragen. Das war Anette Herrigs Plan. Doch wenn ihr Vertrag im Mai 2013 ausläuft, könnte sie mit leeren Händen dastehen. Die Stadt will das historische Bahnhofshaus verkaufen. "Wir haben uns total verausgabt, haben alles investiert", sagt Anette Herrig. Die 51-Jährige hat renoviert, restauriert, Schulden übernommen, einfach viel Arbeit in den Bahnhof gesteckt.

Angeblich will die Stadt 200 000 Euro für das Gebäude haben. Das will und kann sich Anette Herrig nicht leisten. Sie habe das mal durchgerechnet, es lohne sich nicht. Inzwischen hat sich bereits ein Interessent den Alten Bahnhof angesehen. Das bestätigte Stadtsprecher Harald Schlimgen gestern gegenüber der NGZ: "Die Gespräche mit dem Interessenten sind weit fortgeschritten." Bereits im Mai könnte der Eigenbetrieb den Verkauf dem Hauptausschuss vorschlagen. Den Betrag von 200 000 Euro wollte Schlimgen aber nicht bestätigen.

Die Delrather Bürger sind entsetzt. Bereits vor einem Jahr hatte das "Ännchen" geschlossen. Droht nun auch noch dem "Alten Bahnhof Nievenheim" das Aus? Nein, sagt der Stadtsprecher. Beim Verkauf solle der Weiterbetrieb der Gaststätte ins Grundbuch eingetragen werden. Auch für den Bürgerschützenverein (BSV) Delrath gibt es eine gute Nachricht. Der Schießstand im Anbau, den der Verein regelmäßig nutzt, soll erhalten bleiben. Schlimgen: "Der BSV ist darüber schon informiert worden." Auch dem Gerücht, eine Spielhalle könnte im Alten Bahnhof eingerichtet werden, widerspricht Harald Schlimgen: "Das ist ausgeschlossen."

Die Delrather bleiben kritisch. Andrea Johann von der örtlichen Bürgerinitiative sagt: "Es bringt uns nicht weiter, wenn nur die Kneipe erhalten bleibt, wir brauchen den Saal für unsere Versammlungen." Nikolaus Wiesenberger meint sogar: "Wir überlegen derzeit den Bürgermeister anzuschreiben." Der Bahnhof solle seiner Meinung nach als kommunale Einrichtung erhalten bleiben.

Anette Herrig ist selbst Delratherin, "ein Mädchen aus dem Dorf", wie sie selber sagt. Für sie würde es mit 51 Jahren wohl schwierig werden, einen Job als Kellnerin zu bekommen. "Dem Staat will ich aber auch nicht auf der Tasche liegen", erklärt sie. Zwei Jahre Galgenfrist bleiben ihr noch – und die Hoffnung, doch noch den Betrieb weiterführen zu können.

(NGZ)