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Dormagen: Altenpflegerin mit Kampfhund

Dormagen : Altenpflegerin mit Kampfhund

Die Stadt plant, Kampfhunde mit 500 Euro pro Jahr zu besteuern. Die Altenpflegerin Jutta Rochholz wehrt sich dagegen. Sie will ihren Staffordshire Terrier sogar als Therapiehund für Demenzkranke mit ins Altenheim nehmen.

Eigentlich ist Ole ein Hund, den man generell als "süß" bezeichnen würde. Der vier Monate alte Staffordshire Terrier ist verspielt und tollt gern durch den Garten seiner Halterin Jutta Rochholz. Später will sie Ole auch als Therapiehund für Demenzkranke einsetzen. Das überrascht, denn Ole und seine Rasse stehen ganz oben auf der Liste der gefährlichen Kampfhunde. Und diese sollen mit 500 Euro pro Jahr für einen und 650 Euro für zwei oder mehr Hunde bald hoch besteuert werden — so will es zumindest die Stadt Dormagen. Diese Regelung beträfe nur rund 25 der rund 3000 gemeldeten Hunde in Dormagen.

"Wir Hundehalter sind die Dummen", sagt Jutta Rochholz, die seit fast 20 Jahren Staffordshire Terrier hält. Für die Kleinunternehmerin wären die zusätzlichen Ausgaben eine hohe finanzielle Belastung. "Meine 13-jährige Tochter hat mich unter Tränen gefragt, ob wir Ole abgeben müssen, sollte die Steuer kommen. Für sie würde eine Welt zusammenbrechen", sagt Rochholz. Ole hatte sie vor einigen Monaten aus einem beschlagnahmten Wurf vor dem Tierheim gerettet und ihn zum neuesten Familienmitglied gemacht. "Wir tun hier Gutes, kümmern uns um diese Tiere und geben ihnen ein zu Hause", sagt Jutta Rochholz.

Die Besteuerung von Kampfhunderassen hält die Altenpflegehelferin für ungerecht, denn sie treffe nur die, die die gesetzlichen Regeln einhielten und die Hunde angemeldet hätten. "Diejenigen, die aus den Tieren durch eine gewalttätige Erziehung erst Kampfhunde machen, haben ihre Tiere doch sowieso nicht angemeldet." Die Hundetrainerin Regina Hochhäusler hat viel Erfahrung bei der Erziehung von Kampfhunden. Sie hält die Einteilung der Hunderassen in Kategorien für falsch gewählt. "Staffordshire Terrier werden in England wegen ihre sozialen Wesens und ihre hohen Toleranzgrenze 'Nanny-Dogs' genannt", sagt Hochhäusler.

Aus diesem Grunde bildet Jutta Rochholz ihren Hund Ole auch gerade zum Begleithund für die Altenpflege aus. "Mit Hunden, egal welcher Rasse, bekommt man vereinsamte ältere Menschen wieder ins Leben zurück", erklärt die selbstständige Altenpflegehelferin. Die Kleinunternehmerin hat sich mit ihrer Hundetherapie ein zweites Standbein neben der Altenpflege geschaffen. Die angestrebte Steuererhöhung wäre für sie ein herber finanzieller Einschnitt, denn sie arbeitet in einer Branche, die nicht gerade für ein hohes Lohnniveau bekannt ist. Trotzdem hält Jutta Rochholt an ihrer Idee fest, Ole zum Therapiehund auszubilden. Schon jetzt ist er bei ihren Besuchen im Altenheim oder in Privathaushalten oft dabei. "Er soll sich an die Situation gewöhnen. Außerdem freuen sich alle immer sehr, wenn Ole mitkommt", sagt Rochholz.

(NGZ/rl)