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Dormagen: Alte Musik für junge Menschen

Dormagen : Alte Musik für junge Menschen

In drei Wochen treffen sich internationale Alte Musik-Stars und Fans bereits zum 19. Mal beim Festival in Knechtsteden. Hermann Max will als künstlerischer Leiter verstärkt Zuhörer aus Dormagen ansprechen.

Wenn ein Festival ins 19. Jahr geht, initiiert von einem Mann, der es nach wie vor künstlerisch leitet, dann ist eine solche Veranstaltung mehr als eine Lebensabschnittsgefährtin. "Man fragt sich nach so langer Zeit schon: Hab ich erreicht, was ich wollte", sagt Hermann Max. Man könnte auch, in Anlehnung an das diesjährige Festival-Motto fragen: Sind seine Träume in Erfüllung gegangen?

Es ist bezeichnend für diesen Mann, dass er bei der Suche nach einer Antwort nicht auf künstlerische Erfolge, die vielen CD-Produktionen mit Rundfunkanstalten oder den Kult-Charakter des Festivals in der Alte Musik-Szene verweist, sondern auf den ursprünglichen Plan. "Ich wollte ein Unternehmen installieren in einer Region, die wenig Kontakt zur Kultur pflegte", sagt Max, der von 1967 bis 2006 als Kantor und Kirchenmusikdirektor an der Christuskirche wirkte.

Langen Atem benötigt

Wenn er sagt, dass die Akzeptanz vor Ort selbst nach 19 Jahren verbesserungswürdig sei, so klingt das nicht verbittert, nur realistisch. Gleichwohl hat ihn allein das Gedankenspiel der Stadt, die Zuschüsse zum Festival weiter zu kürzen oder zu streichen, empört. Hermann Max weiß nur zu gut, dass es einen langen Atem brauchte, um ein solches Festival zu etablieren.

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Das lebt natürlich nicht von der Kunst allein, es braucht Organisation, Sponsorenpflege, Werbung. Das alles ist nicht sein Ding. "Ich bin kein typischer Macher, kein begnadeter Netzwerker. Ich habe eher das Zeug zum Eigenbrötler, arbeite am liebsten für mich", sagt der 69-Jährige. Wer ihn extrovertiert, ganz und gar bei sich erleben will, muss Hermann Max proben oder konzertieren sehen. "Da bin ich so, wie ich wirklich bin." Musik ist sein Medium, um sie kreist sein Denken und Fühlen.

Wenn er von der Bedeutung klassischer und insbesondere der "Alten Musik" spricht, der er sich ein ganzes Künstlerleben lang widmet, steht nicht die intellektuelle Brillanz oder der Wert klassischer Bildung, sondern die emotionale Wirkung und Kraft der Musik im Vordergrund. "Wir müssen Empfindungen schulen", betont er, Menschlichkeit braucht Nahrung, Kultur-Nahrung. Dass "moderne" Zeitgenossen in dieser Hinsicht schon lange auf Diät sind, sorgt ihn. Und treibt ihn in die Welt der historischen Aufführungspraxis: "Das Barock war eine tolle Zeit, die große Gefühle mit intellektueller Kontrolle verband. Barocke Musik will die Zuhörer befeuern, zu Tränen rühren, wach machen." Wie er.

Erreichen möchte er auch den Nachwuchs. Nicht nur junge Instrumentalisten, die er beim Jungen Festival in ein Projektorchester aus Profis und Laien integriert. Junge Menschen sollen Kontakt zur Kultur aufnehmen, etwas wahrnehmen, was bleibt. Um das zu vermitteln, kann er eine weitere Eigenschaft gut gebrauchen: "Hier und da hoffe ich, unterhaltsam zu sein."

(NGZ)