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Dormagen: Als in Dormagen noch Menschen hingerichtet wurden

Dormagen : Als in Dormagen noch Menschen hingerichtet wurden

Heute vor genau 60 Jahren, am 4. November 1950, wurde in Rom die "Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten", kurz die "Europäische Menschenrechtskonvention" unterschrieben. Bis heute haben sich 47 Nationen verpflichtet, das Leben eines jeden Menschen zu schützen, auch vor Gewalteinwirkung durch Vertreter des Staates, etwa bei Folter und Hinrichtung.

Der gewaltsame Tod durch den Scharfrichter hat auch in Dormagen eine bizarre Geschichte. "Wir haben besonders viele Belege von Hinrichtungen aus Zons", sagt Archäologe Jost Auler. Seit mehr als 25 Jahren beschäftigt sich der Stürzelberger mit dem Thema, der Tod durch den Galgen ist sein Spezialgebiet. Der Tod durch den Strick ereilte Verurteilte gegenüber dem Raphaelshaus an der B9.

Ein zweiter Galgen stand vermutlich nördlich des Silbersees, auch an der heutigen Bundesstraße. An diesem wurden 1586 acht Diebe gehängt, die aus einem Kölner Lagerhaus Fässer mit Hering und Stockfisch gestohlen hatten. Auf ihrer Flucht den Rhein hinab, stellten Soldaten die Flüchtigen, die sich hinter den Fischfässern versteckten, in Höhe Stürzelberg aber gefasst wurden.

"Weder Zons noch Stürzelberg oder Dormagen hatten einen eigenen Scharfrichter, der die Arbeit am Galgen übernahm. Deshalb lieh man sich immer einen aus Köln oder Ratingen aus", sagt Auler. Öffentliche Hinrichtungen glichen damals dem Spektakel einer heutigen Kirmes. Vorab wurden Flugblätter verteilt, es gab reichlich zu Essen und Künstler führten Schauspiele vor. Dennoch sollte eine öffentliche Exekution vor allem der Abschreckung dienen — bis ins 19. Jahrhundert hinein.

Noch länger wurde vom Pranger Gebrauch gemacht. Eine dieser Vorrichtungen zum Anketten und Demütigen von Delinquenten stand mitten vor dem ehemaligen Zonser Rathaus. 1817 wurde dort Margarethe Erkelenz an den Pranger gestellt, die eine Handvoll Erbsen gestohlen hatte. Damit jeder von ihrem Vergehen erfuhr, bekam sie einen Erbsen-Kranz aufgesetzt. Jeder Passant durfte die Diebin beim Vorbeigehen unbestraft beleidigen oder demütigen, ganz wie es ihm beliebte.

Nicht nur einfache Bürger wurden hart bestraft. Im 30-jährigen Krieg sollen deutsche Soldaten einen ihrer Kameraden zwischen Zons und Stürzelberg bei der Sodomie erwischt haben — der Soldat endete samt Pferd auf dem Scheiterhaufen.

(NGZ)