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Dormagen: Allergieschutz stellt Betriebe vor Probleme

Dormagen : Allergieschutz stellt Betriebe vor Probleme

Die EU erweitert den Allergikerschutz auf unverpackte Lebensmittel - Herausforderung für Dormagener Wirte, Metzger, sogar Kindergärten.

Begeistert ist Christopher Prömpler nicht. Doch er fügt sich - wohlwissend, "dass wir neue Verordnungen ja sowieso umsetzen müssen". Der Inhaber des Dormagener "Ratskellers" an der Kölner Straße hält für seine Gäste künftig hinter der Theke eine Liste mit Inhaltsstoffen in den in seinem Gasthaus angebotenen Gerichten bereit, die bei manchen Menschen Allergien auslösen. Die Liste soll helfen, Allergiker vor mitunter heftigen Reaktionen ihres Körpers zu schützen. Die EU hat am 13. Dezember beschlossen, dass nun auch unverpackte Lebensmittel entsprechend gekennzeichnet werden müssen. Bisher galt eine entsprechende Verordnung nur für verpackte Speisen.

Bei der Verbraucherberatung begrüßt man die neue Rechtsprechung, die freilich vorerst noch unter der Bezeichnung "vorläufige Lebensmittelergänzungsverordnung" firmiert. "Bei Stichproben im vergangenen Jahr in 14 nordrhein-westfälischen Städten hat sich gezeigt, dass mündliche Auskünfte des Personals in Bäckereien, Metzgereien und anderen Lebensmittelbetrieben unzuverlässig waren", berichtet Ernährungsexpertin Isabelle Mühleisen. Der Außer-Haus-Verkauf habe viele Unsicherheiten für Allergiker bedeutet. Ein konsequenter Schutz müsse aber auch lose Waren umfassen, meint Mühleisen.

Ein Thema ist der Allergikerschutz auch in den Dormagener Kindertagesstätten mit Mittagstisch. Cornelia Gisa leitet die "Große Flohkiste" an der Nettergasse. Gemeinsam mit der Hauswirtschafterin bemüht sie sich um eine lückenlose Ausweisung der möglicherweise allergieerzeugenden Inhaltsstoffe in den Mahlzeiten, die auf dem täglichen Speiseplan aufgeführt sind. "Das ist teilweise recht kompliziert, weil man erstmal herausfinden muss, was wo drin ist - und vor allem auch in welchen Mengen", erzählt Gisa. Ralf Lorenz, Inhaber der gleichnamigen Dormagener Fleischerei mit Partyservice, hat sich für die recht aufwendige Zusammenstellung in einem eigens zu diesem Zweck angelegten Ordner Unterstützung geholt. "Wir haben Hilfe vom Amt für Lebensmittelüberwachung bekommen, aber auch von Firmen, die uns mit Gewürzen beliefern", sagt Lorenz. Teilweise habe er das Internet zurate gezogen. Doch er hat auch noch eine andere Strategie. "Wir versuchen von vornherein, allergene Stoffe aus unseren Produkten rauszulassen", berichtet er. Seit zwei Jahren stelle er nur gluten- und lactosefreie Erzeugnisse her. Und der Honig, den er in einer Leberwurstsorte verarbeitet, stamme quasi "aus kontrollierter Produktion". Lorenz: "Mein Vater ist Imker, da weiß ich ganz genau, wo der Honig herkommt."

Viele Nachfragen gibt es zu den Allergie-Listen beim Kreis. "Die Lebensmittelbetriebe setzen sich sehr bewusst mit dem Thema auseinander", lobt Frank Schäfer, Leiter des Veterinäramtes. Er und ein Kollege haben im vergangenen Jahr Informationsvorträge bei Metzger- und Bäckerinnung gehalten. Die Behörde zeigt sich kulant. Den Betrieben werde ausreichend Zeit für die Umsetzung eingeräumt, so Schäfer.

(NGZ)