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Dormagen: Alkoholprävention senkt Zahl der Straftaten

Dormagen : Alkoholprävention senkt Zahl der Straftaten

Bei der zweiten Jugendschutzkonferenz gestern in Dormagen tauschten sich Fachleute aus dem gesamten Rhein-Kreis aus.

Sabine Rosenthal-Aussem brachte es auf den Punkt. "Alkoholprävention ist auch Kriminalprävention", unterstrich die Kriminalhauptkommissarin von der Kreispolizei bei der zweiten Jugendschutzkonferenz, die gestern in der Kulturhalle in Dormagen stattfand. Denn der Anteil der Straftaten unter Alkohol ist bei den Unter-21-Jährigen im Rhein-Kreis Neuss in den vergangenen zehn Jahren um fast 50 Prozent gestiegen.

Das so genannte Jugendlagebild des Landeskriminalamtes weist für diese Delikte 10 333 Fälle im Jahr 2003 aus; 2012 waren es schon 15 411 Fälle. Der Schwerpunkt lag bei Körperverletzung und Vandalismus, berichtete Rosenthal-Aussem. Insgesamt würden etwa zehn Prozent aller Straftaten von Jugendlichen im Kreis nach Alkoholkonsum begangen.

Da die gesundheitlichen Folgen von übermäßigem Alkoholkonsum ohnehin besorgniserregend sind, sind sich die Fachleute in der Jugendarbeit und bei der Polizei einig, dass gegengesteuert werden muss. Landrat Hans-Jürgen Petrauschke und die Bürgermeister aller acht Kommunen im Kreis unterzeichneten kürzlich eine Vereinbarung, die eine enge Kooperation und Vernetzung in der Vorbeugungsarbeit über Stadtgrenzen hinaus vorsieht.

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Ein Baustein dazu ist die Jugendschutzkonferenz, die gestern in Dormagen ihre zweite Auflage erfuhr. Eine Reihe von Vorträgen zum Thema Jugend und Vorbeugung von Alkoholmissbrauch stand auf dem Programm. Michael Weege von der Suchtkrankenhilfe der Caritas-Sozialdienste im Rhein-Kreis berichtete von einer Kooperation mit Sport- und Schützenvereinen, deren Vertreter in Seminaren für die Folgen übermäßigen Trinkens sensibilisiert wurden. "Bisher haben wir vier solcher Seminare mit Vereinen aus Jüchen, Korschenbroich und Rommerskirchen organisiert", erzählte Weege.

Besonders erfreulich sei gewesen, dass sich unter den Teilnehmern eine Reihe von Jungschützen befunden hätten. Die Suchtkrankenhilfe appelliert an die Vorbildfunktion der Vereinsvertreter. "Denn wenn Jugendliche früh mitkriegen, dass Alkohol Hauptbestandteil von Festen ist, darf man sich nicht wundern, wenn sie selbst zur Flasche greifen." Martina Hermann-Biert, Leiterin des Dormagener Jugendamtes, wünscht sich, dass Alkoholkonsum unter Jugendlichen irgendwann "out" ist: "Rauchen ist ja inzwischen auch bei vielen verpönt." Ein Imagewechsel sei wünschenswert.

Einen interessanten Präventionsansatz vertrat Dr. Eckhard Schiffer, u.a. Facharzt für Neurologie und Psychiatrie (früher Chefarzt am Christlichen Krankenhaus in Quakenbrück). Er plädierte dafür, mehr Lebensfreude im Alltag junger Menschen zu schaffen — durch schöpferische Entfaltung, etwa im Spiel, sowie im Dialog mit Anderen. Und dies ohne Zensuren, Leistungsdruck und Konkurrenzdenken. Nachweislich würden bei solchen Aktivitäten im Körper Botenstoffe freigesetzt, die Glücksgefühle hervorriefen und Alkohol endgültig überflüssig machten. Schiffers eindringlicher Appell: "Wir dürfen die Menschen nicht auf wirtschaftliche Konkurrenzsituationen verkürzen. Der Leidensdruck wächst."

(NGZ)