1. NRW
  2. Städte
  3. Dormagen

Dormagen: Aktion gegen "Koma-Saufen"

Dormagen : Aktion gegen "Koma-Saufen"

An der Realschule am Sportpark gastierte gestern der Komiker Eisi Gulp mit der "Hackedicht-Schultour". Schulleitung und Kinderschutzbund wollen auf ungewöhnliche Art auf die Gefahren des Drogenkonsums hinweisen.

Mit ungelenken Bewegungen, merkwürdigen Geräuschen und abwesendem Blick spielt der Schauspieler und Komiker Eisi Gulp die verschiedenen Formen von Drogenkonsum nach.

Seine Parodie auf einen sich übergebenden Betrunkenen, der über der Toilette hängt, reizt die Schüler im ersten Augenblick zum Lachen ("Hoffentlich falle ich da nicht mit dem Gesicht rein, wo ich sonst meine Kehrseite hinhalte!"), allerdings sorgen die nächsten Zahlen für Betroffenheit in der Aula der Realschule am Sportpark.

"26 000 Jugendliche werden pro Jahr im Voll-Koma nach Alkoholmissbrauch ins Krankenhaus eingeliefert, viele davon sind erst zwölf Jahre alt", erläutert Gulp.

Der Schauspieler gastierte gestern Morgen in der voll besetzten Aula mit der knapp zweistündigen "Hackedicht-Schultour der Knappschaft" in der Realschule, um den Mädchen und Jungen zuzurufen: "Schaltet Euer Gehirn ein: Drogen sind nicht cool, sie sind gefährlich!"

Gemeinsam mit dem Kinderschutzbund möchte Schulleiterin Bettina Mazurek für Aufklärung bei den Schülern der 7. und 8. Klasse sorgen: "Mit der Drogen-Prävention kann man nicht früh genug anfangen." Ihr war es eine Herzensangelegenheit, den humorvollen und aufrüttelnden Auftritt an ihre Schule zu holen. Unterstützt wurde sie dabei von Antje Pfister, der Vorsitzenden der Dormagener Ortsgruppe des Deutschen Kinderschutzbundes: "Es ist wichtig, dass Schüler ohne erhobenen Zeigefinger, sondern mit Humor die Folgen von Alkohol und Nikotin vor Augen geführt bekommen." Auch Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, betonte: "Untersuchungen haben bewiesen, dass diese Hackedicht-Tour etwas bei Jugendlichen bewirkt, indem sie ihr Verhalten überdenken."

Der tragische Fall eines Dormagener Schülers einer anderen Schule, der vor etwa einem Monat nach einer Privatfeier alkoholisiert vor seiner Haustür gestürzt und am Erbrochenen erstickt ist, zeigt, wie nah das "Koma-Saufen" den Schülern ist. "Das hat alle sensibilisiert", sagt Antje Pfister, die sich wünscht, dass Freunde und Eltern noch besser aufeinander aufpassen und sich nun mehr Jugendliche weigern, sich bis zur Bewusstlosigkeit zu betrinken: "Diese gefährliche Grenze darf nicht so leicht überschritten werden."

Dass man nicht jede Erfahrung selbst im Übermaß machen muss, um Bescheid zu wissen, war ebenso ein Ergebnis des Auftritts von Eisi Gulp wie sein eindringlicher Appell an die Schüler: "Lasst Euch von der Werbung und von anderen Jugendlichen nicht weißmachen, Ihr bräuchtet die Designer-Jeans, die Zigarette und den Alkohol, um dazuzugehören. Wer dazu auch mal Nein sagt, der ist cool."

(NGZ/rl)