Dormagen: Ärztemangel in Hackenbroich

Dormagen : Ärztemangel in Hackenbroich

Hackenbroich In Hackenbroich droht ein akuter Ärztemangel. Die Internistin Dr. Theresa Godula-Gnott an der Moselstraße verlegt ihre Praxis zum Ende des Monats nach Rommerskirchen.

Im Klartext: Die Internistin, die in Rommerskirchen wohnt, gibt krankheitsbedingt in Hackenbroich auf, hat die Praxis an Dr. Beate und Josef Kaesmacher in Rommerskirchen verkauft.

Das bedeutet weiter: Die Arztstelle wird der Rommerskirchener Praxis zugerechnet und geht Hackenbroich verloren. Ein im Grunde völlig normaler und legitimer Vorgang.

Allerdings mit fatalen Folgen für Hackenbroich. Die Kassenärztliche Vereinigung hat einen weitgehenden Niederlassungsstopp für den gesamten Rhein-Kreis Neuss verfügt. Das heißt für Hackenbroich: Die frei gewordene Praxis wird zunächst nicht wieder besetzt.

"Wir erwarten einen internistischen Notstand in Hackenbroich", befürchtet Dr. Udo Kratel. Der Internist in Gemeinschaftspraxis mit Dr. Udo Meys: "Wir versorgen heute bereits etwa 1000 Patienten pro Quartal mehr als durchschnittliche internistische Gemeinschaftspraxen in Nordrhein-Westfalen."

Kratel und Meys stehen an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Es gibt interessierte Mediziner, die gerne als weitere Kraft in die Praxis einsteigen würden, sie dürfen nicht - Zulassungsstopp.

Hinzu kommt, dass Kratel ein Palliativ-Netzwerk im Dormagener Praxisnetz gegründet hat - eine segensreiche Einrichtung für alle Schmerzpatienten, aber auch eine zusätzliche Belastung des Mediziners.

Die weitere ärztlichen Versorgung im Stadtteil: die Praxis Sulystio-Hauertmann und eine weitere Praxis, in der allerdings keine echte Patientenversorgung mehr stattfindet.

Kratel und Meys haben sich an die Kassenärztliche Vereinigung (KV) in Düsseldorf gewendet, an den Vorsitzenden der Kreisstelle Neuss, den Neusser Kardiologen Dr. Jörg Schnelle und an den Zulassungsausschuss der KV.

In dem Brief fordern Kratel und Meys die KV auf, "den hausärztlichen Arztsitz in Hackenbroich zu erhalten".

Alternativ beantragen sie eine "signifikante Aufstockung unseres Praxis-Individualbudgets, um kurzfristig einen weiteren Arzt unter anständigen finanziellen Bedingungen anstellen um aus der Godula-Praxis schon heute zu uns abwandernde Patienten auffangen zu können."

Pro Woche erhält die Praxis derzeit 40 bis 50 Anfragen zur weiteren ärztlichen Betreuung - sie müssen abgewiesen werden. Kratel: "Es zeigen sich jetzt die Probleme der ortsnahen Versorgung, vor denen wir mit unseren Protesten gegen die Gesundheitsreform protestiert haben."

Eine Antwort auf den vom 3. Mai datierten Brief haben die Hackenbroicher Mediziner nicht. Aber die Zeit drängt. Auf Anfrage der NGZ bestätigte gestern die Pressesprecherin der KV Nordrhein, Karin Hamacher, dass die Lage in Hackenbroich prekär wird.

Konkrete Lösungen? "Grundsätzlich ist eine Möglichkeit, das individuelle Budget der Praxis Kratel und Meys anzuheben. Aber entscheiden muss das die Kreissstelle der KV." Und die hat in dieser Sache noch nicht getagt.

Laut Karin Hamacher sind zurzeit in dieser Disziplin drei Arztstellen kreisweit zu vergeben. "Das Interesse an Hackenbroich scheint allerdings nicht allzu groß zu sein. Immerhin hat Frau Dr. Godula-Gnott auch bereits versucht, einen Nachfolger für ihre Praxis zu finden."

Jetzt ist die Arztstelle, die neu besetzt werden könnte, fort. Laut Kratel besteht bei einem jungen Arzt Interesse nach Hackenbroich zu kommen - doch die KV habe bereits im Vorfeld immer abgewunken.

Für Dr. Ralph Goldschmidt, Obmann der Dormagener Ärzte in der KV, muss in Hackenbroich dringend etwas passieren: "Wir steuern dort auf einen echten medizinischen Notstand hin. Ich teile die Einwände der Hackenbroicher Kollegen."

(NGZ)
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