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Hackenbroich/Neuss: Ärzte fordern fairen Wettbewerb

Hackenbroich/Neuss : Ärzte fordern fairen Wettbewerb

Die Zulassung des Kreiskrankenhauses Hackenbroich für ambulante Spezialleistungen bei Krebspatienten sorgt für Unmut im Praxisnetz. Die Ärzte sehen Wettbewerbsnachteile und fordern die Rückgabe der Zulassung.

Das Gesundheitssystem selber hat Patientenstatus — unter Protagonisten des Systems ist das keine Einzelmeinung. Beispielhaft dafür steht der Paragraf 116b im fünften Sozialgesetzbuch, dessen Konstruktion samt der aus ihr resultierenden Konsequenzen einen heftigen Dissens zwischen Vertretern des Praxisnetzwerks und des Kreiskrankenhauses in Hackenbroich entfacht hat.

Der Paragraf sieht vor, dass Kliniken hochspezialisierte ambulante Leistungen erbringen dürfen, wenn sie eine Zulassung dafür haben — das Kreiskrankenhaus Hackenbroich hat die Zulassung Ende vergangenen Jahres vom Land bekommen. Im Kern der Auseinandersetzung geht es um Wettbewerb, Marktanteile und die Bezahlung der Leistungen. Denn ob das Geld dafür letztlich aus dem Topf für ambulante oder stationäre Behandlung kommt, ist nicht klar geregelt.

Die niedergelassenen Ärzte meinen: Der Paragraf öffne den Markt einseitig zugunsten der Krankenhäuser — auf ihre Kosten. "Es ist kein fairer Wettbewerb mehr", schimpft der Dormagener Allgemeinmediziner Dr. Norbert Sijben. "Wir sind bei der Leistungsabrechnung benachteiligt und arbeiten unter anderen Bedingungen als Ärzte in der Klinik." Im konkreten Fall geht es um die Onkologie: Krebspatienten werden in der Praxis von Dr. Christoph Lohsem in Neuss oder im Kreiskrankenhaus Hackenbroich versorgt, wo sich Oberarzt Dr. Ulrich Hauffe per "Ermächtigung" um sie kümmert — bei diesem, schon länger üblichen Prozedere wird der Patient alle drei Monate neu überwiesen, womit auch der überweisende Arzt Geld verdient.

Das ist mit "116" nicht der Fall. "Der Paragraf erleichtert uns Arbeit und Planung", sagt Krankenhausdirektor Ralf Nennhaus. Und: "Mit 116 können wir wachsen." Dieses Wachstum fürchten die Niedergelassenen. "Es kann nicht nur um die Wirtschaftlichkeit der Krankenhäuser gehen", klagt Christoph Lohsem, der Wettbewerbsnachteile sieht und Zweifel an der korrekten Prüfung der "qualitativen Voraussetzungen" des Krankenhauses äußert. Aktuell lässt das Kreiskrankenhaus "116" ruhen — Ralf Nennhaus ist an einer einvernehmlichen Lösung interessiert. "Wir wollen niemandem Patienten oder Marktanteile wegnehmen." Wie teilweise gefordert zurückgeben könne er die Zulassung nicht — "aus Verantwortung meinen Mitarbeitern gegenüber. Denn was mache ich, wenn die Ermächtigung ausbleibt?" Neben der Kritik der Ärzte ärgert ihn vor allem das Gesetz: "Wenn die Sozialgerichte den Ärzte-Klagen stattgeben, heißt das: Der Gesetzgeber hat schlecht gearbeitet. Solche Versäumnisse vergiften das Klima."

(NGZ)