Dormagen: Ärger um Radfahrer-Route

Dormagen : Ärger um Radfahrer-Route

Dormagen arbeitet weiter am Radwegenetz. Wie schwierig die Detailplanung bei Radwegen sein kann und wie öffentliches und privates Interesse mitunter kollidieren, zeigt eine Eigentümer-Beschwerde an der Zonser Straße.

Dormagen gilt als fahrradfreundliche Stadt — eine Auszeichnung, die sich die Kommune verdient hat, denn sie investiert in das Wegenetz und plant konsequent für Radfahrer mit. Zu konsequent, findet Katharina Hermanns — jedenfalls wenn es um den Bereich zwischen Liebermannstraße und Zonser Straße geht.

Im dortigen Hochhaus und in den Flachbauten daneben sind die 60-Jährige und 143 weitere Wohnungseigentümer zuhause. Lange hätten sie und die Nachbarn toleriert, dass Radfahrer aus Nievenheim kommend in Richtung Innenstadt über Grund und Boden der Eigentümergemeinschaft geradelt seien — der riesige Parkplatz vor dem Haus gehört in etwa zur Hälfte zur Eigentümergemeinschaft, zur anderen Hälfte der Stadt. Die Radfahrer aber nehmen den kürzesten Weg zur Zonser Straße und fahren natürlich keinen Bogen um den privaten Parkplatzabschnitt herum — den sie als solchen mangels Hinweis gar nicht erkennen können.

"Ich würde auch den kürzesten Weg nehmen", räumt Katharina Hermanns ein, die betont, dass sie nicht die Radfahrer an sich stören. Sondern die Tatsache, dass die Stadt an der Ecke zur Liebermannstraße eine Absenkung für Radfahrer und Rollstuhlfahrer vorgenommen hat und damit offiziell signalisiere: "Ihr habt hier freie Fahrt und bewegt Euch auf einem offiziellen Radweg", so die Anwohnerin. Zumal die Radfahrer, allerdings in einigen Metern Abstand, an Garagenausfahrten vorbeifahren. "Wer haftet, wenn hier etwas passiert?", fragt die Dormagenerin.

Peter Tümmers, Fahrradbeauftragter der Stadt, kann die Aufregung überhaupt nicht nachvollziehen. "Ich sehe keine Grund, warum man dort nicht mit dem Rad vorbeifahren können sollte." Für die meisten sei der Parkplatz ohnehin nicht als privater Raum erkennbar. Grundsätzlich bestehe an dieser Stelle Verbindungsbedarf für eine autofreie Achse zwischen dem neuen Malerviertel und der Stadtmitte.

"Theoretisch hätte die Absenkung auch an einer Stelle erfolgen können, wo die Radfahrer auf städtischen Grund geleitet würden. "Aber wir wollen es den Radfahrern ja so einfach wie möglich machen."

Konfliktpotenzial mit Anwohnern oder parkenden Autos sieht Tümmers nicht — "wie man sich auf dem Parkplatz zu verhalten hat, regelt die Straßenverkehrsordnung". Dagegen sieht Tümmers auf Anwohnerseite eine "fahrradfeindliche Grundhaltung." Dennoch wolle er die Einzelbeschwerde ernst nehmen und stehe zu Gesprächen zur Verfügung. Eine Markierung hin zum öffentlichen Teil des Parkplatzes hält er für keine Lösung. "Die würde ignoriert." Die Eigentümergemeinschaft könne ja auf ihrem Grund selber Maßnahmen treffen — "von Schildern bis hin zu Absperrungen", so Tümmers.

(NGZ)
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