Dormagen: Abi-Bälle gestern und heute

Dormagen : Abi-Bälle gestern und heute

Er ist das Sinnbild für einen erfolgreichen Abschluss und einen würdigen Abschied: der Abitur-Ball. Die Schüler arbeiten lange darauf hin, um den Abend so perfekt wie möglich zu gestalten. Das war nicht immer so.

Die Mädchen tragen teure Kleider, bei denen selbst die kleinsten Details aufeinander abgestimmt sind. Die Jungen kommen im schnieken Anzug. Eine schicke Abendgarderobe gehört heutzutage beim Abi-Ball einfach dazu. "Es ist ein besonderer Tag. Es geht darum, allen Leuten ,Tschüss' zu sagen", sagt Caroline Heising. Die Abiturientin des Bettina-von-Arnim-Gymnasium (BvA) hat sich in einem eigens eingerichteten Team für den Ball engagiert.

"Das war nicht immer so", erinnert sich Wolfgang Seyfert, kommissarischer Schulleiter des BvA. Als er im Jahre 1968 sein Abitur ablegte, habe es zumindest in seinem Jahrgang überhaupt keinen Ball gegeben. "Ende der 60er war es verpönt, sich festlich zu kleiden", meint auch Josef Zanders, Schulleiter am Norbert-Gymnasium (NGK). Die 68er-Bewegung habe dazu veranlasst: Bloß nicht unterordnen, Autoritäten in Frage stellen — dementsprechend galt auch im Kleidungsstil höchster Drang zur Individualität. Von dieser damals so legeren Atmosphäre in Jeans und Turnschuhen ist heute nicht mehr viel übrig geblieben. Alles soll perfekt sein. Die Mode-Kaufhäuser quillen schon Wochen vor der Ball-Zeit über von Kleidern, die Schüler bereiten sich Monate vorher auf den Ball vor. In der Schule verkaufen sie Kuchen und Waffeln oder organisieren Partys, um den Ball am Jahresende finanzieren zu können.

Der Trend zeigt: Die Bälle werden immer nobler und damit immer teurer. "Jetzt zahlen wir etwa 18 000 Euro für den Abend", erklärt Caroline Heising — eine Summe im mittleren Preisniveau. "Nicht alle Familien können den Preis der teuren Eintrittskarten schultern", kritisiert Josef Zanders. "Die Kosten für eine solche Feierlichkeit sind vollkommen überzogen", meint er.

Dabei könnte die Feier günstiger sein, denn die Miete für einen Saal beläuft sich auf mehrere Tausend Euro. Dieser Anteil fiele weg, wenn die Schüler die Räumlichkeiten der Schule nutzen würden. Doch das ist selten geworden. In Dormagen feiert nur das Leibniz-Gymnasium (LGD) seinen Ball in der Schule — dank einer geräumigen Aula. "Uns bleibt so mehr Geld für andere Dinge", erklärt Schülerin Livia Danisch. Trotz eines relativ geringen Budgets von 13 000 Euro kann so zum Beispiel noch ein Fotograf engagiert werden — und eine Cocktailbar. Anders am BvA: "In der Aula haben wir zu wenig Platz", sagt Caroline Heising. Für die 500 Gäste mietet das BvA einen Saal in Köln. Schade, findet Josef Zanders, dessen NGK-Schüler im Kölner Gürzenich feiern. Die Identifikation mit der Schule gehe verloren. Doch der Ball sei wichtig, denn den Abend vergessen werden die Schüler nicht.

(NGZ)
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