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Dormagen: A57: Hilfe aus dem Brückenlager in Schiefbahn

Dormagen : A57: Hilfe aus dem Brückenlager in Schiefbahn

Als im Februar klar wurde, dass die durch den Brand beschädigte A57-Brücke zwischen Neuss und Dormagen abgerissen werden muss, konnten die Experten von Straßen NRW für den Bau der Behelfsbrücke auf eine bestehende Infrastruktur zurückgreifen. Alle nötigen Bauteile lagerten im nur knapp 30 Kilometer entfernten Örtchen Schiefbahn, das zu Willich gehört.

Im 12.000-Seelen-Dorf Schiefbahn befindet sich das größte Brückenlager in ganz Deutschland. Bundesweit gibt es zehn solcher Lager, drei davon in Nordrhein-Westfalen. Die anderen beiden sind in Lage in Ostwestfalen und in Mönchengladbach, wobei letzteres wiederum nur eine Außenstelle des Lagers Schiefbahn ist.

Werner Lehnen vom Landesbetrieb Straßen NRW in Krefeld und die Mitarbeiter des Brückenlagers in Schiefbahn hatten wegen der Bauarbeiten an der A57 alle Hände voll zu tun. Mit Tiefladern wurden zuletzt die tonnenschwere Fahrbahnplatten aus den beiden riesigen Hallen im Gewerbegebiet am Nordkanal nahe der Autobahn 52 abgeholt. Zuvor waren bereits die einzelnen Bauteile für die gewaltige Metallkonstruktion der beiden Behelfsbrücken aus Schiefbahn Richtung Dormagen gebracht worden.

Insgesamt wurden rund 450 Tonnen Baumaterialen aus Schiefbahn benötigt, um die beiden etwa 55 und 73 Meter langen Behelfsbrücken zu errichten. Darunter gut 300 sogenannte Hauptträgerdreiecke mit knapp 100 Tonnen Gesamtgewicht und 44 zweispurige Fahrbahnplatten mit einem Gesamtgewicht von rund 175 Tonnen. Damit aus den einzelnen Teilen zwei fertige Brücken werden konnten, mussten noch rund 18.000 Spezialschrauben verbaut werden, jede so groß wie eine Hantel.

Das Ganze funktioniert nach dem Baukastenprinzip. Die Einzelteile werden vor Ort auf die gewünschte Länge zu einer Brücke verschraubt und diese wird schließlich über die Lücke in der Fahrbahn geschoben. Das System der D-Brücken (wobei das D für die Dreiecke in der Konstruktion steht) wurde schon vor mehr als 50 Jahren von den Firmen Krupp und MAN gemeinsam entwickelt.

Das Schiefbahner Lager hat insgesamt 5000 Tonnen Material vorrätig, die zusammen für mehr als 2000 Brückenmeter ausreichen würden. Vier bis fünf Anfragen im Jahr habe das Brückenlager in der Regel zu bearbeitet, sagt Werner Lehnen, Sachbearbeiter für das Brückenlager bei Straßen NRW in Krefeld. Als das Oderhochwasser Ende der 90er Jahre zahlreiche Brücken in Ostdeutschland beschädigt habe, seien zehn Brücken mit Teilen aus Schiefbahn gebaut worden. Seit 1994 sei eine Brücke in Küstrin an der polnischen Grenze im Dauereinsatz.

Die bundesweit zehn Brückenlager wurden zu Zeiten des Kalten Krieges Anfang der 60er Jahre eingerichtet und dienten ursprünglich einem militärischen Zweck. Im Kriegsfall sollten zerstörte Brücken auf diese Weise schnell ersetzt werden können. Das lag auch an den Erfahrungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Die zurückweichenden deutschen Truppen hatten in den letzten Kriegsmonaten die meisten der wichtigen Brücken gesprengt, um den alliierten Vormarsch aufzuhalten. Nach Kriegsende dauerte es teils Jahre, bis die wichtigsten Strecken im Westen gerade über den Rhein wieder befahrbar waren.

Heute werden Brückenteile aus dem Lager genommen, um an Baustellen Behelfsbrücken einzurichten oder durch Hochwasser zerstörte Brücken schnell ersetzen zu können. Hat eine Behelfsbrücke ausgedient, werden die Bauteile wieder nach Schiefbahn gebracht, aufbereitet und stehen für einen neuen Notfall wieder zur Verfügung.

Hier geht es zur Bilderstrecke: A57: Brücke ist fertig: letzte Sicherheitsvorkehrungen

(jco)