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Dormagen: A57: Gleich am Gründonnerstag wird geblitzt

Dormagen : A57: Gleich am Gründonnerstag wird geblitzt

Die Autobahn 57 ist noch keine 24 Stunden wieder freigegeben, da wird auch schon geblitzt. Bereits am Gründonnerstag stehen zwei Radargeräte auf dem Rastplatz Nievenheim und messen das Tempo der aus Richtung Neuss kommenden Fahrzeuge. Kontrolliert wird, ob sich die Autofahrer an das Tempo 60 halten.

"Das gibt's doch nicht. Da steht ja schon der erste Blitzer", sagt Ludwig Ernst. Der Pendler aus der Nähe von Essen muss jeden Tag nach Bergheim zur Arbeit. Heute ist der erste Tag, an dem er wieder über die Autobahn 57 fahren kann. Den Blitzer hat er mit etwas Glück umfahren, als er sich entschloss, auf eine Zigarette auf dem Rastplatz Nievenheim anzuhalten. "Ich hatte noch ein paar Minuten Zeit und habe deshalb ein Päuschen eingelegt", sagt er.

Nur einige hundert Meter vor der neu errichteten Behelfsbrücke beginnt in Fahrtrichtung Dormagen in Höhe des Rastplatzes Nievenheim die eingerichtete Geschwindigkeitsbegrenzung von 60 Kilometern die Stunde. Mit den Radargeräten wird überprüft, ob das Tempolimit von den Fahrern auch eingehalten wird.

Dass die Autobahn so schnell wieder freigegeben werden konnte, findet Ludwig Ernst gut. In den vergangenen Wochen war er über die B 477 ausgewichen. "Das war gute und schnelle Arbeit, aber die sollen jetzt mal langsam aufhören, sich auf die Schulter zu klopfen. Mich würde interessieren, warum der Brandstifter immer noch nicht gefasst wurde", sagt er, steigt in seinen Wagen und macht sich auf den Weg nach Bergheim.

Es ist ein ruhiger Morgen auf dem Rastplatz Nievenheim. Ein ungemütlicher Wind fegt bei nur acht Grad über die ungeschützte Freifläche. Der Osterreiseverkehr hat noch nicht so richtig begonnen, auf der Autobahn fließt der Verkehr ohne Probleme, auch vor den Behelfsbrücken, auf denen die Autos auf 60 Kilometer die Stunde abbremsen müssen, bilden sich keine Staus.

Gerd Resing aus Vreden fährt mit seiner Frau an die Mosel. "Ein kleiner Kurzurlaub bis Dienstag", sagt er. Dass die A57 früher als erwartet wieder befahrbar ist, kommt ihm natürlich entgegen. "Sonst wären wir in Richtung Venlo gefahren und dann über die A61, aber so ist es natürlich viel praktischer", so Resing.

Bis unters Dach vollgepackt ist der Kleinbus von Luk van der Poel. Der Familienvater aus Rotterdam ist mit seiner Frau und den beiden Töchtern auf dem langen Weg nach Salzburg. "Ich fahre per Navigationsgerät, da haben wir ja Glück gehabt, wenn die Strecke erst seit gestern wieder frei ist", freut er sich. Bei sich zu Hause in Rotterdam hatte er von dem Unglück an der A57 und dessen Folgen überhaupt nichts mitbekommen.

Erst am Mittwoch hatte NRW-Verkehrsminister die Strecke nach exakt 50 Tagen Vollsperrung wieder freigegen. Ursprünglich sollte die Sperrung sogar bis Karsamstag dauern. Zwei 55 und 73 Meter lange Behelfsbrücke hatten errichtet werden müssen, nachdem die alte Brücke bei einem Brand so stark beschädigt wurde, dass sie einsturzgefährdet war und abgerissen werden musste.

Ein oder mehrere immer noch nicht gefasste Brandstifter hatten am 14. Februar Kunststoffrohre in Brand gesteckt, die unter der Brücke lagerten. Durch die dichte Rauchentwicklung kam es auf der Autobahn zu einer Massenkarambolage. 15 Autos und sechs Lastwagen rasten ineinander. Ein 29-jähriger Mann aus Jüchen überlebte die Massenkarambolage nicht, 13 weitere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Das aus den beiden Behelfsbrücken bestehende Provisorium wird über Jahre im Einsatz sein. Wegen einer in einem solchen Fall üblichen europaweiten Ausschreibung kann mit dem Neubau der Brücke frühestens Ende 2013 begonnen werden. Da Experten die Bauzeit noch einmal auf anderthalb bis zwei Jahre schätzen wird die neue Brücke damit frühestens im Jahr 2015 stehen.

Wegen des ohnehin geplanten Ausbaus der Strecke auf sechs Fahrspuren soll die Brücke ebenfalls bereits für die sechsspurige Nutzung ausgelegt sein. Die Kosten für den Neubau sollen bei fünf Millionen Euro liegen, die Kosten für Errichtung der Behelfsbrücken sollen bei rund zwei Millionen Euro gelegen haben.

(ila/csi/top/das)