Dormagen: A57-Anschluss verzögert sich

Dormagen : A57-Anschluss verzögert sich

Stadt und Kreis sind um Optimismus bemüht, dass der von Firmen befürwortete Delrather A57-Zubringer kommt. Wegen rechtlicher Probleme wird das aber dauern. Bürger beklagen, dass Alternativen zu wenig diskutiert würden.

Wenn es nach Landrat Jürgen Petrauschke ginge, wäre der erste Spatenstich für die Anschlussstelle Delrath für die A57 "lieber morgen als übermorgen" gemacht, wenn es nach einigen Delrathern ginge, dann käme er überhaupt nicht. Landrat Petrauschke und Dormagens Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann haben jetzt deutlich gemacht, dass sie davon überzeugt sind, dass die Autobahn eine weitere Zufahrt im Dormagener Norden bekommen wird.

"B 9 ist ein Dauerproblem"

Sie besuchten die Spedition Offergeld und ließen sich vom Geschäftsführer Gottfried Koch erläutern, warum die Auffahrt für die Dormagener Unternehmen — viele davon wie Offergeld im Logistikbereich tätig — wichtig sei, nicht nur jetzt, wo durch die A57-Sperrung viel mehr Verkehr über die Landstraße fließt.

"Auch im Normalfall ist die B 9 oft überlastet. Das ist ein Dauerproblem", so Koch: die bessere Anbindung der Gewerbebiete Taubental in Neuss und das (geplante) Am Silbersee in Dormagen, die Wettbewerbsfähigkeit der ansässigen Unternehmen, die Entlastung der B9 — so argumentieren Stadt, Kreis und Unternehmen für den Zubringer.

Mehr als ein positives, öffentlichkeitswirksames Signal pro Anschlussstelle setzen, können aber weder Stadt und Kreis derzeit tun. Denn sie hängen in der Warteschleife. Grund ist das noch fehlende Gutachten zur Gefährdung durch in erster Linie den Betrieb Gerling, Holz & Co. (GHC), der unter anderem mit giftigen Gasen arbeitet. "Das ist lediglich eine theoretische Gefährdung, nämlich nur dann, wenn ein Störfall auftritt", sagt Petrauschke. Das sei aber in den vergangenen 30 Jahren, die das Unternehmen dort angesiedelt ist, noch nie der Fall gewesen.

Ein weiterer Grund für die Verzögerung des Gutachtens, das Anfang des Jahres bereits vorliegen sollte, sind Neuregelungen im EU-Recht. "Aber das haben wir mit dem Gutachter abgesprochen und sein neues Gutachten basiert auf EU-Recht", sagt Petrauschke. Von dem Gutachten des TÜV Rheinland erhoffen sich Unternehmen, Kreis und Stadt technische Lösungen für die Abstandsproblematik, dann erst wird es möglich, das derzeit beim Kreis auf Eis liegende Planfeststellungsverfahren wieder aufzunehmen. "Mit dem Bau wird es aber 2012 nichts mehr", sagt Petrauschke.

Eine Entwicklung, mit der Peter Jacobs gerechnet hat. Der ehemalige Straßenplaner beim Landesbetrieb StraßenNRW und seine Mitstreiter von der "Bürgerinitiative Lebenswertes Delrath" kritisieren vor allem die angedachte Trassenführung. "Sie verschlingt viel mehr Land als nötig", sagt er. Die Planer hätten bislang keinen Versuch unternommen, den benötigten Raum zu minimieren. Das kritisierten auch ortsansässige Landwirte (die NGZ berichtete). Auf alternative Planungen habe der Kreis bisher nicht reagiert. "Ich bin mir aber sicher, das kommt alles noch mal auf den Tisch", sagt Jacobs.

(NGZ/rl)
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