72-Stunden-Aktion: Hackenbroicher Messdiener testen Barrierefreiheit

Dormagener Messdiener wirkten bei bundesweiter Aktion mit : Es ginge durchaus „barrierefreier“

19 Messdiener der katholischen Gemeinde St. Katharina betrachteten Hackenbroich aus der Perspektive von Rollstuhlfahrern.

Gut 80.000 Kinder und Jugendliche beteiligten sich am Wochenende an der 72-Stunden-Aktion des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), 19 davon stammen aus Hackenbroich. Genauer gesagt, sie sind Messdiener von St. Katharina aus der Pfarre St. Michael Dormagen-Süd und haben sich eingehend damit beschäftigt, wie es um die Barrierefreiheit in ihrem Ort bestellt ist.

Das Ergebnis: Hackenbroich könnte durchaus barrierefreier sein. Im Rollstuhl nämlich haben die Messdiener manche Beobachtung machen können, die ihnen ansonsten wohl verborgen geblieben wären. Dies gilt etwa für die Schwierigkeiten beim Einkaufen, die in zwei bundesweit bekannten Lebensmittelmärkten unterschiedlich groß sind. Im einen gibt es größere Abstände zwischen den Regalen, was Rollifahrern das Manövrieren erheblich erleichtert, während es beim anderer Branchenriesen räumlich deutlich enger zugeht. Unangenehm überrascht hat die Messdiener nach den Worten ihrer Leiterin Katharina Keusgen auch der barsche Ton eines Busfahrers gegenüber einem der Rollstuhlfahrer, der erkennbare Mühe hatte, in den Bus zu kommen.

Selbst abgeflachte Bordsteinkanten sind für Rollstuhlfahrer oft nur schwer zu nehmende Hindernisse, so eine weitere Beobachtung von Katharina Keusgen und ihren Mitstreitern. Als Kraftakt erweise es sich letztlich auch, auf das Gelände der Pfarrkirche St. Katharina zu gelangen, obwohl es hier eine spezielle Vorrichtung für Rollstuhlfahrer gibt. Unternommen haben die Messdiener ihre Aktion in Kooperation mit dem Malteserstiift, wo sie mit der Funktionsweise eines Rollstuhls vertraut gemacht wurden. Schon vor ihrem eigenen Start konnten sie dort beobachten, welche Schwierigkeiten es bereiten kann, Glasflaschen im Container zu entsorgen, wenn man den Rollstuhl nicht verlassen kann. Bei der Aktion mit von der Partie war auch ein auf den Rollstuhl angewiesener Bewohner des Malteser-Seniorenhauses. Er berichtete den Jugendlichen auch von unliebsamen Erfahrungen, die er schon mal mit einer Gruppe Jugendlicher gemacht hat, die ihn berauben wollten.

Den Teilnehmern an der Aktion genügte es bei der Auswertung der Aktion nicht, die problematischen Stellen in einer „Wheel-Chair-App“ zu dokumentieren. Immerhin war es ja der Anspruch der BDKJ-Aktion „die Welt ein bisschen besser zu machen“. Daher wollen die Messdiener nun in einem Brief an Bürgermeister Erik Lierenfeld auf einige der Problemzonen Hackenbroichs hinweisen, was vor allem für die Bürgersteige gilt, die Katharina Keusgen zufolge durchaus noch weiter abgeflacht sein sollten, um auf den Rollstuhl angewiesenen Menschen das Leben zu erleichtern.

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