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Interview Erik Lierenfeld: 600 Termine in den ersten 100 Tagen

Interview Erik Lierenfeld : 600 Termine in den ersten 100 Tagen

Seit genau hundert Tagen ist Erik Lierenfeld (SPD) heute im Amt. Der 27-Jährige zieht eine positive Bilanz der ersten Tage.

Herr Bürgermeister, heute sind Sie genau hundert Tage im Amt. Fühlen Sie sich als Bürgermeister, oder íst es noch ein Stück weit unwirklich, was da im Mai bei der Kommunalwahl passiert ist?

Erik Lierenfeld So langsam habe ich es schon begriffen (lacht). Das wurde mir aber auch schnell klar, als ich die ersten Unterschriften zu leisten und die ersten schwierigen Gespräche und Verhandlungen zu führen hatte.

Hundert Tage Rathausarbeit, darin lag die Sommerpause - trotzdem: Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Lierenfeld Von einer Sommerpause habe ich nichts gespürt. Wir haben einmal nachgezählt: Ich habe bislang 600 Termine absolviert, davon 350 außerhalb des Rathauses...

...eine hohe Schlagzahl. Ist die durchzuhalten?

Lierenfeld Ich hoffe doch. Im Wahlkampf habe ich versprochen, nahe an den Menschen zu sein und dieses Versprechen löse ich ein. Und diese Termine machen mir auch einfach Spaß.

Ein Bürgermeister, der ansprechbar ist.

Lierenfeld Auf jeden Fall. Ich habe neue Dialogformen eingeführt, wie die Kinder- und Jugendsprechstunde oder das Praktikum beim Bürgermeister. Derzeit werden im Rathaus Bürgerforen in den Stadtteilen vorbereitet.

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Zurück zur Bilanz: In der Außenwirkung war die Krise der Werbegemeinschaft, die Sie maßgeblich gelöst haben, ein starkes Zeichen.

Lierenfeld Ja, darüber bin ich froh, dass es unter meiner Moderation so gut gelaufen ist. Aber ich möchte auch das Thema Tannenbusch nennen, wo wir die Beteiligten, also SVGD und Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, an einen Tisch bekommen haben und auf eine gute Lösung hinsteuern. Ich zähle zu den Erfolgen auch die Vereinbarung im Stadtrat dazu, wo sich die Fraktionen einer sachorientierte Arbeit verpflichtet haben. Dort soll es um einen politischen und keinen persönlichen Wettstreit gehen. Für das Baugebiet Nievenheim IV haben wir eine breite Mehrheit gefunden, und als einen schönen Erfolg für mich sehe ich die Entwicklung im Bahnhof. Auf einen Brief von mir an Bahnchef Rüdiger Grube hin kam es vor Ort zu der Begegnung zwischen den Delegationen der Verwaltung und der Bahn. Das war gut, sich einmal persönlich kennenzulernen. Das Ergebnis mit einer Soforthilfe von 20 000 Euro war ebenfalls gut.

Werbegemeinschaft, Tannenbusch, Nievenheim IV, Bahnhof - vier Themen, in denen viel Bewegung ist...

Lierenfeld Für mich ist der Dialog die große Klammer, nicht nur bei diesen Themen. Das gilt auch rathausintern, wo es jetzt eine Mitarbeiter-Sprechstunde mit dem Bürgermeister gibt. Alle sind verpflichtet, sich dem Bürger gegenüber als Dienstleister zu fühlen. Ein weiteres äußeres Zeichen ist der neue Fachbereich für Bürger- und Ratsangelegenheiten.

Sind Sie auch an Grenzen gestoßen, das heißt, was hätten Sie gern schneller umgesetzt?

Lierenfeld Da gibt es nicht viele Dinge, die ich gern schneller gemacht hätte. Das Büro für Bürgerschaftliches Engagement hätte ich allerdings gern früher fertig gehabt.

Wie beurteilen Sie die Situation rund um den Konverter?

Lierenfeld Die Standortfrage ist weiterhin offen, obwohl Amprion Gohr offenbar nicht mehr bevorzugt. Wir haben es geschafft, beträchtlichen Widerstand in Gohr zu formieren, auch dort wieder durch intensiven Dialog vor Ort. Dormagen war übrigens die erste Stadt im Rhein-Kreis, die eine umfangreiche Stellungnahme gegenüber Amprion abgegeben hat. Die Antwort ließ aber zwölf Wochen auf sich warten.

Die Finanzlage ist schwierig. Was geht trotzdem?

Lierenfeld In jedem Wahlprogramm der Parteien steckt Wichtiges drin. Mein Ziel ist es, daraus möglichst viel umzusetzen und möglichst dafür Dritt- und Fördermittel zu generieren.

Formulieren Sie doch einmal einen Wunsch für die nächsten hundert Tage.

Lierenfeld Dass es so weiterläuft wie bisher. Denn es war ein guter Start. Diese Rückmeldung erhalte ich aus der Bürgerschaft. Es gilt: Geht es den Bürgern gut, geht es auch dem Bürgermeister gut.

DAS GESPRÄCH FÜHRTEN KLAUS D. SCHUMILAS UND CARINA WERNIG

(NGZ)