Dormagen: 20 Jahre im Dienst der Verbraucher

Dormagen : 20 Jahre im Dienst der Verbraucher

Die Verbraucherzentrale an der Straße Unter den Hecken feiert ihr 20-jähriges Bestehen. Seit der Eröffnung haben sich die die Themen stark verändert, heute dominiert die Beratung von Verbrauchern in Rechtsfragen.

Immer wieder wurde Dagmar S. von einem Inkassobüro angerufen und zur Zahlung einer Rechnung aufgefordert. Von einer Firma, die sie gar nicht kennt. "Ich fühlte mich regelrecht bedroht." In der Verbraucherzentrale wurde der Dormagenerin geholfen, "mir wurde der Rücken gestärkt, damit ich die Forderung abwehren kann". Ein Beispiel von insgesamt neun, die in der Verbraucherzentrale an der Straße Unter den Hecken auf großen Bilder-Tafeln gestern den rund 40 Gästen gezeigt wurden. Sie kamen als Gratulanten zum 20-jährigen Bestehen der Einrichtung.

In der Feierstunde wurde zum einen die große Bedeutung der Dormagener Verbraucherzentrale deutlich, zum anderen die Entwicklung der Themen in den vergangenen 20 Jahren. "Anfangs ging es vor allem um Produktberatung", sagt die Leiterin Dorothea Khairat, "heute steht die Rechtsberatung eindeutig im Vordergrund". Sa geht es um Knebelverträge, um Fallen im Internet, um Abzocke bei Handyverträgen. "Die Verbraucherzentrale ist der Lotse für den Kunden", sagt Erwin Knebel, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Verbraucherzentrale NRW. Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann sieht in der "Fachkompetenz" eine der wesentlichen Stärken der Verbraucherzentrale, die, so sagt er, "mit der Stadt als Geburtshelferin 1992 an den Start ging". Jürgen Steinmetz, Allgemeiner Vertreter des Landrats, wies auf den aktuellen Schuldner-Atlas für den Rhein-Kreis Neuss hin, der 37 000 überschuldete Personen aufweist. "Auch bei diesem Thema gibt die Verbraucherzentrale wichtige Hilfestellung."

1991 schloss die Stadt mit der Verbraucherzentrale NRW einen Vertrag über eine 50prozentige Finanzierung der Beratungsstelle ab, die ein Jahr später eröffnet wurde. Landesweit gibt es 58 Verbraucherzentralen, demnächst kommen fünf weitere hinzu. "Wir brauchen in Neuss auch eine", sagt Reiner Breuer MdL, der den hiesigen SPD-Landtagsabgeordneten Rainer Thiel vertrat. Aber schlechte Nachricht für die Nachbarstadt, in der sich SPD und Grüne seit Jahren um die Einrichtung einer Verbraucherschutzzentrale bemühen: Aus finanziellen Gründen wird es danach kaum weitere Eröffnungen geben, meint Peter Knitsch, Abteilungsleiter Verbraucherschutz im NRW-Ministerium. "Dabei gehört in eine so große Stadt wie Neuss einfach eine Verbraucherzentrale." Rund die Hälfte der Kunden kommt aus Nachbarstädten, sagt Dorothea Khairat. "Im Grunde ist es eine Einrichtung des Kreises", sagt Hoffmann. Finanziell sind die Kreiskommunen aber nicht mit im Boot. Die Stadt steuert pro Jahr 58 000 Euro bei, die Sparkassen-Stiftung einen fünfstelligen Betrag, die andere Hälfte zahlt das Land. Welches werden die Beratungsthemen der Zukunft sein? Mobilität, glaubt Hoffmann, Klimaveränderung, so Knitsch, und Gesundheitsthemen durch den demographischen Wandel, meint Khairat.

(NGZ)
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