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Züchter aus Voerde - Zoff um das Fohlen von Weihegold

Bundesgerichtshof urteilt im Streit um ein Pferd : Zoff um das Fohlen von Weihegold

Der Bundesgerichtshof hat einen langen Rechtsstreit um ein Fohlen des Pferdes Weihegold zu Gunsten von Johann Hinnemann entschieden.

Die Nachricht erreichte Johann Hinnemann im fernen Kalifornien. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hatte gerade im Rechtsstreit um die Stute Aweih zu Gunsten des Voerder Ex-Weltmeisters und renommierten Züchters von Dressurpferden entschieden. Das 2013 geborene Fohlen der Weltklassestute Weihegold, die von Isabell Werth geritten wird und auch bei den kommenden Olympischen Spielen in Tokio an den Start gehen soll, gehört nicht nur Hinnemann, er ist mit der Entscheidung des BGH nun auch Züchter von Aweih.

Geklagt hatte die Besitzerin von Weihegold, Christine Arns-Krogmann, die im oldenburgischen Münsterland nahe der Kreisstadt Vechta einen Zuchthof betreibt. „Züchter eines Fohlens ist, wer zum Zeitpunkt der Besamung der Mutterstute auch Eigentümer der Stute ist, und das war und bin ich“, betonte Arns-Krogmann auch gestern noch einmal. Das hätten die Gerichte bei ihren Entscheidungen nicht berücksichtigt.

Der Streit hat natürlich eine lange Vorgeschichte. 2011 war Weihegold von Arns-Krogmann zu Johann Hinnemann auf den Krüsterhof in Voerde gekommen. „Mein Mann hat Christine Arns-Krogmann geradezu überreden müssen, die Stute zur Ausbildung zu uns zu geben, da er schon damals die große Klasse des Pferdes erkannt hatte“, sagte Gisela Hinnemann, Ehefrau von Johann und Vizepräsidentin des Landessportbundes, gestern nach dem Urteil auf der Rückreise von Karlsruhe. Weihegold wurde dann eineinhalb Jahre lang auf Hinnemanns Kosten in Voerde ausgebildet. Im Gegenzug räumte Arns-Krogmann Hinnemann das Recht ein, alle ein bis zwei Jahre einen Embryo aus Weihegold zu entnehmen. Als Aweih 2013 nach einem Embryonen-Transfer – eine gängige Praxis zur Züchtung von Sportpferden mit einer Leihmutter – auf die Welt gekommen war, ließ Hinnemann das Fohlen in seinem westfälischen Pferdezüchterverband eintragen, beantragte einen sogenannten Equidenpass, dem Personalausweis für Pferde,  und gab sich als Besitzer und Züchter an.

Natürlich geht es dabei auch um viel Geld. Weihegold, deren Lebensgewinnsumme im Moment bei über 700.000 Euro liegt, ist Millionen wert, ihre Nachkommen werden entsprechend hoch gehandelt. „Frau Arns-Krogmann hat uns die Eizelle ihrer Stute Weihegold verkauft. Zum Zeitpunkt der Besamung gehörte die Eizelle uns“, wies Gisela Hinnemann erneut auf die Entstehungsgeschichte von Aweih hin. Und sie sagt auch, dass von der Auswahl des Leihhengstes über die Versorgung der Leihmutter-Stute, die Geburt des Fohlens und die Aufzucht erhebliche Kosten von etwa 15.000 Euro entstanden sind.

Der Rechtsstreit hat sich schon einige Jahre hingezogen. Zunächst urteilte das Landgericht Münster im Sinne von Hinnemann. Das Oberlandesgericht Hamm bestätigte das Urteil mit dem Hinweis: Da ihm die Steuerung des gesamten Zuchtvorgangs übertragen wurde, konnte er dies nur dahingehend auffassen, dass er damit auch das Recht erhalten sollte, sich als Züchter,  sogenannter Zuchtbesitzer, zu bezeichnen. An dieser Auffassung hatten die höchsten deutschen Zivilrichter gestern in Karlsruhe nichts auszusetzen. Sie wiesen dementsprechend die dagegen gerichtete Revision von Arns-Krogmann zurück.

Für Johann Hinnemann, der gestern die Sonne Kaliforniens genoss, war das Urteil nur folgerichtig. „Eigentlich war ich nicht überrascht“, sagte er und sprach von einem Über-Ehrgeiz der Besitzerin von Weihegold. Dass sein Verhältnis zu Isabell Werth, der erfolgreichsten Dressurreiterin aller Zeiten, unter diesem nun abgeschlossenen Rechtsstreit leiden könnte, glaubt er nicht. „Ich hatte und habe zu Isabell Werth immer ein sehr gutes Verhältnis über unseren Sport gehabt, und das wird auch in Zukunft so bleiben“, sagte er.

Auch Christine Arns-Krogmann glaubt nicht, dass die Reiterin von Weihegold sich von von diesem Urteil beeinflussen lassen wird. „Mit Herrn Hinnemann wird es jedoch in Zukunft keine geschäftlichen Beziehungen mehr geben“, hat sie für sich entschieden: Die Züchterin will ihrerseits einen Schlussstrich unter die Verbindung mit dem Krüsterhof in Voerde ziehen.