Dinslaken: "Zauberkasten" soll an Demenz Erkrankte aktivieren

Dinslaken : "Zauberkasten" soll an Demenz Erkrankte aktivieren

Im Demenzcafé an der Erlöserkirche wird demnächst eine so genannte Tovertafel zum Einsatz kommen.

Seifenblasen zerplatzen beim Antippen mit einem Plopp, Goldfische gleiten über Handrücken, ein Ball wandert von Tischkante zu Tischkante, ohne herunter zu rollen, Blüten werden groß wie Suppenteller, wer buntes Herbstlaub durch Wischbewegung zusammenkehrt, wird mit davonfliegenden Maikäfern belohnt, die sich versteckt hielten. Wie von Geisterhand erscheint dies alles und noch viel mehr auf einer blanken Tischplatte, zaubert Farben auf die Fläche und Töne in den Raum, betört Auge, Hand und Ohr.

Laterna magica war gestern, heute heißt der Kasten, dem das Wunderwerk entspringt, Tovertafel. Dahinter verbirgt sich ein lichtstarker Beamer nebst Hochleistungscomputer und einem Programm, das die bunten Bilder und leisen Töne erzeugt. Die Maschine ist in Holland erfunden worden und feiert dort so große Erfolge, dass die Welle nach Skandinavien, Belgien und jetzt auch Deutschland hinüber geschwappt ist. Denn was auf den ersten Blick wie ein großer Spaß aussieht, hat deutlich mehr zu bieten.

Der Zauberkasten wird in der Arbeit mit Menschen eingesetzt, die an Demenz leiden und deren Wahrnehmungs-, Ausdrucks- und Bewegungsvermögen stark eingeschränkt ist. Die Tovertafel kann die Erkrankten zwar nicht mehr gesund machen, wohl aber ihre Aufmerksamkeit wecken, die Sinnesorgane stimulieren und zu gemeinsamer Aktivität anstiften. Mit der Tovertafel eröffnen sich in der Therapie neue Möglichkeiten.

Die Evangelische Kirchengemeinde Dinslaken und die Diakonie im Kirchenkreis setzen auf diese Karte. Im Demenzcafé an der Erlöserkirche kommt das Gerät demnächst zum Einsatz, vorab bekamen die Mitarbeitenden um Erika Tepel, Ralf Federwisch und Yasmin Geppert eine Einweisung in Technik und Funktionsvielfalt des Zauberkastens. Je höher der aufgehängt wird, desto größer wird die Spiel- und Aktionsfläche. Im Sitzkreis kann ein Sternenhimmel auf den Boden projiziert werden, der bei Berührung Sternschnuppen ausregnet, oder Lichtblasen, in denen bekannte Sprichwörter stecken.

Die Hälfte des 8000 Euro teuren Gerätes konnten bisher durch Spenden aufgebracht werden. Nicole Mehring vom Diakonischen Werk ist optimistisch, dass auch noch die andere Hälfte fremdfinanziert werden kann. Wer dazu einen Beitrag liefern möchte, wendet sich am besten direkt an sie, Telefon 02064 414531.

(dh)