Yvonne Willicks las in Dinslaken aus ihrem Buch „Glauben – ganz einfach“

Herz-Jesu-Kirche Oberlohberg : Yvonne Willicks berichtet von Leid, Trost und Glauben

Yvonne Willicks las in der Herz-Jesu-Kirche aus ihrem Buch „Glauben – ganz einfach“

Yvonne Willicks betritt die Herz-Jesu-Kirche Oberlohberg und geht schnurstracks zur Kanzel. Der Förderverein hatte sie zum Start seiner Veranstaltungsreihe 2019 eingeladen, aus ihrem Buch „Glauben – ganz einfach“ zu lesen. Aber die Wege sind bekanntlich verschlungen, auf der A3 war ein Benzintransporter umgekippt. Vollsperrung, Stau, die WDR-Haushaltsexpertin, die noch morgens im Kölner Dom die Meditation im Eröffnungsgottesdienst der Misereoraktion las, trifft erst 30 Minuten nach dem geplanten Veranstaltungstermin in der Kirche ein. Und doch, es war Fügung muss man mit den Worten Willicks sagen. Denn die Moderatorin war nicht auf den geplanten musikalischen Rahmen eingestellt, sondern brachte Ehemann Markus mit, der als Organist Gemeindelieder passend zur Lesung anstimmte. So wäre für Elias Thiele, Klavierschüler von Gabriele Kortas-Zens, nur ein Stück zum Schluss der Lesung geblieben. Doch er überbrückte die halbe Stunde Wartezeit mit instrumentalen Balladen und bereicherte so die an diesem stürmischen Sonntag ohnehin schon durch das Licht besondere Atmosphäre in der neo-gotischen Kirche auch klanglich. Ein Highlight war die träumerische Gymnopedie No. 1 von Eric Satie.

Ganz praktisch, mit beiden Beinen im Leben stehend, dagegen ist Yvonne Willicks. Ihre positive Ausstrahlung gewinnt sie allerdings nicht aus dem im Moment so angesagten Achtsamkeitstraining, sondern aus christlicher und damit auch alttestamentarischer Tradition. Und aus dem festen Glauben, dass alles Fügung ist, dass der Heilige Geist in jedem von uns wirkt, wenn man sich nur einmal diese „Geistes-Blitze“ bewusst mache, dass auch im Leid Gottes Trost zu spüren ist.

Sehr persönlich erzählte Yvonne Willicks ihre Lebensgeschichte, die eine Glaubensgeschichte ist. Es sind Erfahrungen mit der Kirche, die nichts mit den Skandalen zu tun haben, die derzeit das Bild in der Öffentlichkeit prägen, sondern Erfahrungen, die denen der Generation gleichen, die in den Jahren nach dem 2. Vatikanischen Konzil zur Erstkommunion ging. Mit engagierten Pfarrern, die es verstanden, Kinder für eine aktive Gottesdienstgestaltung zu begeistern, mit Messen, die – ohne zweite Lesung – kurz und auf dem Punkt waren und mit Omas, die Gottvertrauen besaßen und dieses auch in ihren Enkelkindern wecken konnten, selbst wenn die Eltern, wie im Falle von Willicks, die Kinder nicht mehr taufen lassen wollten.

Willicks ist keine Theologin, kritisiert, dass die Kirche heute oftmals nicht die Sprache der Menschen spreche. Sie selbst, die dreifache Mutter, hat sich den Glauben der Kindheit im positiven Sinne bewahrt: Gottvertrauen in einer Welt voller kleiner und großer Wunder.

(bes)