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Wölfin Gloria: Schäfer werden Behörden Ignoranz und Widersprüche vor

Diskussion um Niederrhein-Wölfin Gloria : Schäfer werfen Behörden Widersprüche vor

Vorwurf: Die Behörden widersprächen sich selbst bei der Beurteilung der Lage und ignorierten Fakten.

Schäfer-Verbände gehen gegen die Entscheidung in die Offensive, dass die Niederrhein-Wölfin „Gloria“ vorerst nicht zum Abschuss freigegeben wird. Sie haben eine gemeinsame Stellungnahme herausgegeben, in der sie das Landesumweltamtes scharf angreifen. Politik und Behörden, so schreiben die Schäfer, „erheben mit jedem Übergriff neue, zunehmend absurde Einwände gegen die Wirksamkeit von vorhandenem Herdenschutz“.

Wölfin „Gloria“, in den Akten als GW954f geführt, hat in der Region nachweislich zahlreiche Weidetiere gerissen. Der Hünxer Schäfer Kurt Opriel, dessen Herden immer wieder angegriffen wurden, hat zuletzt einen Eilantrag auf die Tötung der Wölfin gestellt. Diesem wurde nicht stattgegeben. Nach Angaben der Schäfer-Verbände wird die Ablehnung wiederum juristisch geprüft.

Seit dem Winter hat es zwar keine weiteren Wolfsattacken mehr gegeben. Das ist für die Schäfer aber kein Zeichen dafür, dass das Raubtier sein Verhalten ändert. „In den betroffenen Gebieten waren die meisten Tiere über diese Zeit eingestallt“, führen sie aus. „Auch 2019 blieb es um GW954f bis zum Frühling ruhig.“

Sie werfen den Behörden vor, sich in ihrer Beurteilung der Lage selbst zu widersprechen. „So wurden wolfsabweisende Zäune nach einem Riss für untauglich erklärt, obwohl die Fachbehörde diese zuvor bei einem Ortstermin abgenommen hatte.“ Inzwischen gebe es die Forderung, Schafe zum Schutz täglich in den Stall zu bringen. Dagegen stellen die Halter sich vehement: Das sei nicht artgerecht. Auch gebe es gar nicht genügend Stallplätze dafür: „Schließlich wäre im Sommer durch die herangewachsenen Lämmer der Raumbedarf mehr als doppelt so hoch.“

Zudem sei die wirtschaftliche Lage der Schäfer ernst: „Der Bau neuer Stallungen ist den Betroffenen kaum zumutbar. Die notwendigen Baugenehmigungen werden nur selten erteilt“, zählen sie auf. Und am Ende hätte es auch negative Folgen für den Natur- und Artenschutz in der nordrhein-westfälischen Landschaft, wenn die Tiere in Ställe verbannt würden: „Viele Deiche, Naturschutzgebiete und anderes artenreiches Dauergrünland könnten dann nicht mehr beweidet werden.“

Immer wieder werde von allen Seiten betont, dass die Schafhaltung für Natur und Gesellschaft unverzichtbar sei. Am Umgang mit Wölfin „Gloria“ sei das aber nicht erkennbar.

Stattdessen ignorierten die Behörden die Anzeichen dafür, dass sie ein „verhaltensauffälliges“ Tier sei. Ihre Risse seien schließlich minutiös dokumentiert. „In vielen Fällen übertraf der dabei vorhandene Herdenschutz die behördlichen Anforderungen“, argumentieren die Schäfer. Zudem würden Wölfe Zäune typischerweise untergraben. Gloria tut das aber offensichtlich nicht, sondern springt darüber hinweg. „Das Überspringen von Einfriedungen ist untypisch und somit auffällig.“ Ihr Fazit: Es gebe keine geeignete Alternative zum Abschuss.

Die Tierhalter gehen zudem davon aus, dass das für die Wolfspopulation vertretbar wäre, die Niederrhein-Wölfin zu töten. Im Jahr 2018/2019 hätten Wölfe sich nach Zahlen des Bundes mehr als 140 Territorien erschlossen. Der Verlust eines einzelnen Tieres wäre für den Erhalt der Art „ohne signifikante Bedeutung“.

Hinter der Stellungnahme stehen der Bundesverband Berufsschäfer, der Schafzuchtverband Nordrhein-Westfalen sowie Schafhalter vom Niederrhein.

(szf)