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Dinslaken: Wölfin bei Fluchtversuch erschossen

Dinslaken : Wölfin bei Fluchtversuch erschossen

Bei einem neuen Anlauf, das Tier zu narkotisieren, hatte es gestern Morgen versucht, den Außenzaun zu überspringen. Dies war der Moment, in dem ein "Kugelschütze" abdrückte.

Die Wölfin ist tot - und in den sozialen Netzwerken überschlugen sich die Kommentare bereits am frühen Sonntagmorgen. Schock, Trauer und Entsetzen war dort zu lesen, andere Kommentatoren klagten den Wildpark Anholter Schweiz in Isselburg an. Er trage die Schuld am Tod der anderthalb Jahre alten Wölfin, die aus dem Wolfsgehege geflohen war und sich zwölf Tage auf dem umzäunten Gelände aufhielt, bis er nun von Sicherheitskräften erschossen wurde.

Die Pächterin des Parks, Monika Westerhoff-Boland, hatte für 15 Uhr zur Pressekonferenz geladen, um Journalisten und Fernsehteams aus Deutschland und den Niederlanden ihre Sicht auf die Geschehnisse zu schildern. Noch bevor sie eine schriftlich vorformulierte Erklärung verlesen konnte, kam es auf dem Parkplatz zum Eklat: Eine Frau aus Vehlingen wollte die Autos der Besucher stoppen. "Besucht nicht diesen Park! Er hat einen Wolf erschossen!", rief die aufgebrachte Frau, bis die Pächterin und ihre Mitarbeiter das Hausrecht geltend machten und die Frau des Parkplatzes verwiesen.

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Bei der Pressekonferenz dominierten dann Fakten statt Vorwürfe. Bei einem erneuten Versuch, die Wölfin zu narkotisieren, habe sie am Sonntagmorgen versucht, den zwei Meter hohen Außenzaun entlang der Pferdehorster Straße zu überspringen. Dies sei der Moment gewesen, in dem einer der bereitstehenden "Kugelschützen", die auch für den Schutz der Mitarbeiter angefordert worden waren, das Tier erschossen habe.

Frank Schaffeld, Leiter des Ordnungsamts der Stadt Isselburg, nannte die Maßnahme "traurig, aber notwendig". Oberstes Ziel sei es gewesen, die öffentliche Sicherheit zu wahren und die Wölfin nicht aus dem Park entkommen zu lassen. Schaffeld lobte ausdrücklich die gute Zusammenarbeit mit dem Wildpark, der "auf eigene Kosten und mit einem enormen Aufwand" alle Maßnahmen ergriffen habe, um die Vorgaben der Stadt Isselburg zu erfüllen. Die Tierärztin des Wildparks, Dr. Anne Brömmling, bestätigte, dass die Wölfin zu einer "potenziellen Gefahr" hätte werden können, sobald sie den Außenzaun überwunden und in benachbarte Wohngebiete gelaufen wäre: "Wenn sie sich bedrängt gefühlt hätte, zum Beispiel in einer Garage, wäre das denkbar gewesen." Am Samstag war bereits Revierförster Rolf Schwartke von der Wolfsdame gebissen worden, blieb aber wegen der Stahlkappen an seinen Schuhen unverletzt.

In ihrer Presseerklärung blickte Monika Westerhoff-Boland auf zwölf Tage und elf schlaflose Nächte "voller Strapazen, Hilflosigkeit und Machtlosigkeit" zurück. Alles begann am 5. September beim Versuch, drei weibliche Wölfe vor ihrem Transport in einen anderen Wildpark zu narkotisieren. Eines der Tiere geriet in Panik und sprang über den zwei Meter hohen und mit 6000 Volt gesicherten Elektrozaun des Absperrgeheges. Der Park, in dem sich das Tier bis zuletzt aufhielt, wurde sofort für die Öffentlichkeit geschlossen.

Den wirtschaftlichen Schaden, der dem Park durch die zwölftägige Schließung entstand, schätzt die Pächterin auf 20.000 Euro. Hinzu kommen die Rechnungen einzelner Wolfsexperten und Organisationen, die sich an der Jagd der geflohenen Wölfin beteiligt haben. Auch ein bevorstehender Ausbau der Gehege wird Geld kosten: Der Außenzaun des Wolfsgeheges soll jetzt überspannt und zusätzlich gesichert werden.

(RP)