1. NRW
  2. Städte
  3. Dinslaken

Wölfe im Gebiet Schermbeck - Landwirte fordern "mutige Schritte"

Nach Pony-Riss in Hünxe : Wölfe in der Region – Landwirte fordern „mutige Schritte“

Nach dem jüngsten Riss eines Shetland-Ponys in Hünxe hat sich der Rheinische Landwirtschaftsverband zu Wort gemeldet. Erfahrungen aus Niedersachsen zeigten, dass „Problemwölfe“ konsequent getötet werden sollten.

Auch die Bauern im Rheinischen Landwirtschaftsverband äußern sich besorgt über die Wölfe in der Region. „Es bedarf in NRW klarer und mutiger Schritte bei der Frage, wie mit Wölfen, die Schutzzäune überwinden und Weidetiere reißen, weiter umgegangen werden soll“, fordert Bernhard Conzen, Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV). „Die Landwirte und ihre Tiere brauchen hierbei Sicherheit.“

Erfahrungen aus dem benachbarten Niedersachsen zeigten, dass „Problemwölfe“ konsequent „entnommen“, also getötet werden müssten, schreibt der Verband. Er schlägt eine jährliche „Entnahmequote“ für Wölfe vor. Perspektivisch gefragt sei „eine aktive Regulierung des Wolfsbestandes“.

Auf das Konto der Niederrhein-Wölfin Gloria gingen seit Herbst 2018 mindestens 78 getötete und verletzte Schafe sowie 14 Stück Damwild, überschlägt die Organisation. Zuletzt wurde in Hünxe ein Shetland-Pony gerissen, wobei der wissenschaftliche Nachweis eines Wolfsangriffs durch Gen-Untersuchungen noch aussteht. Der jüngste Fall erfährt nicht nur deshalb große Aufmerksamkeit, weil zum zweiten Mal ein kleines Pferd getötet wurde, sondern auch, weil inzwischen nachgewiesen ist, dass „Gloria“ ein Rudel gegründet hat.

Aus Sicht der Tierhalter ergäben sich dadurch neue und drängende Fragen, so Bernhard Conzen. „Wird ein Rudel anders jagen als ein Einzeltier? Lernen die Wölfe voneinander, Zäune zu überspringen? Verlieren die Tiere wie vor wenigen Jahren der Wolf ,Kurti’ die Scheu vor dem Menschen? Folgen auf Schafe bald auch größere Tiere wie in anderen Bundesländern? Dass das unangenehme Fragen sind, ist uns bewusst. Doch wir müssen sie uns stellen und die Situation sachlich bewerten.“

Mit dem Hinweis auf Herdenschutzmaßnahmen sei es nicht getan, zumal nur die Materialkosten gefördert würden. „Mit dem Arbeitsaufwand und den Folgekosten wird der Landwirt jedoch völlig allein gelassen“, kritisiert der Landwirtschafts-Verband. Auch die Anschaffung von Hunden betrachtet man nicht als Allheilmittel. „Herdenschutzhunde sind kräftige Tiere und nicht für jeden Halter geeignet. In den falschen oder unerfahrenen Händen kann es gefährlich werden. Auch die Lage des Betriebes und damit eventuell verbundener Publikumsverkehr spielt hierbei sicherlich eine Rolle.“

Für die Landwirte sind die Entwicklungen in Niedersachsen bedeutsam. Dort wurden im Sommer zwei Hannoveraner Pferde im Landkreis Nienburg von Wölfen gerissen. Es handelte sich dabei um „Jährlinge“, also junge Tiere, aber solche einer großen Rasse. Auch Rinder fielen Wölfen zum Opfer, wobei es auch dabei überwiegend junge, nicht ausgewachsene Tiere traf. In Niedersachsen wurde ein Wolf nach solchen Vorkommnissen zum Abschuss freigegeben, er wurde aber bislang dennoch nicht getötet. Um die Genehmigung wird in dem Bundesland heftig diskutiert.

(szf)