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Wölfe am Niederrhein: Gahlener Bürgerforum zweifelt an Gutachten

Konflikt ums Wolfsrudel am Niederrhein : Bürgerforum zweifelt an neutralem Wolfs-Gutachten

Die Kritiker glauben, dass ein Gutachten über Niederrhein-Wölfin „Gloria“ nicht neutral sein könnte. Außerdem beklagen sie, dass immer mehr Zeit verstreicht, bis etwas getan werde. Der Nabu nimmt unterdessen Stellung zu den jüngsten Wolfssichtungen in Hünxe.

Das Gahlener Bürgerforum zweifelt an der Neutralität eines Gutachtens zur Niederrhein-Wölfin „Gloria“, das das nordrhein-westfälische Landesumweltministerium in Auftrag gegeben hat. Den zur Tötung laut Bundesnaturschutzgesetz notwendigen „Entnahmetatbestand“ aufgrund eines „ernsten wirtschaftlichen Schadens“ sieht das Bürgerforum bereits jetzt erfüllt.

Die Weseler Ortsgruppe der Umweltschutzorganisation BUND hatte jüngst die Zusammenarbeit aller Beteiligten in einem für 2021 geplanten „Nationalen Kompetenzzentrum Weidetierhaltung und Wolf“ gefordert.

Damit würde nur weitere Zeit verstreichen, schreibt dazu nun das Bürgerforum. Mit einem weiteren Wurf Welpen in dem Rudel werde die Situation weiter eskalieren, glaubt die Gruppe und ergänzt: Da viele Schafherden inzwischen weit über den empfohlenen Schutz hinaus geschützt würden, werde sich das Rudel andere Nahrungsquellen suchen wie Pferde und Rinder.

Angesichts der Ankündigung des Ministeriums, dass ein unabhängiges Gutachten über die Auffälligkeit der Wölfin GW954f – so ihre offizielle Kennung – entscheiden soll, kritisiert das Bürgerforum den Zeitplan. Denn schon vor drei Monaten sei ein Gutachten vom Landesumweltamt angekündigt worden. „Nach stolzen drei Monaten hat die kurzfristige Prüfung ergeben, dass jetzt ein externes Gutachten beauftragt werden soll. Jetzt wird wahrscheinlich erst einmal in weiteren drei Monaten der Prozess für die Auftragsvergabe erarbeitet, bevor man dann für die Bewerberauswahl weitere drei Monate braucht.“

Außerdem bezweifeln die Gahlener die Neutralität des Gutachtens: „Die meisten Experten, von denen es nicht viele gibt, haben sich bereits durch Veröffentlichungen auf die eine oder andere Seite geschlagen und sind nicht mehr neutral.“ Ebenso wird die Arbeit der Wolfsberater in Zweifel gezogen, von „teilweise falschen und unrichtigen“ Rissprotokollen, auf die sich das Gutachten stützen müsste, ist die Rede.

Als Argument für den Abschuss zitiert das Bürgerform die im Bundesnaturschutzgesetz genannte Abwendung „ernster wirtschaftlicher durch GW954f verursachter“ Schäden, die unstrittig seien, und kritisiert das Gutachten schon jetzt als „untauglichen Versuch“ und „Augenwischerei“.

Unterdessen hat sich der Naturschutzbund (Nabu) im Kreis Wesel nach den jüngsten Berichten über Wolfs-Sichtungen in Hünxe zu Wort gemeldet. Einwohner aus Hünxe-Gartrop berichten von zwei abendlichen Begegnungen mit einem Rudel von vier Wölfen, die nicht vor ihnen Reißaus genommen hätten.

Dass die Raubtiere in der abendlichen Dunkelheit an der besagten Stelle unterwegs seien, sei aber vollkommen normal, sagt Peter Malzbender vom Nabu. Deswegen darauf zu schließen, dass sie Menschen gefährlich werden könnten, sei „totaler Blödsinn“. Dieser Gedanke komme nur auf, „weil man das hier 150 Jahre lang nicht mehr gewohnt war“. Allerdings sei es richtig, dass alle Schutzmaßnahmen für Weidetiere überdacht werden müssten.

(RP)