Dinslaken: Wo sogar das Saxophon lacht

Dinslaken : Wo sogar das Saxophon lacht

Ben Poole bereitete dem Publikum des 5. Blues'n Jazz Meetings im Innenhof des Walzwerks einen wahren Klangrausch.

Was bei der Tommy Schneller Band Funk und Soul noch über den Blues stellt? Es sind nicht die fetzigen Grooves, nicht die Bläsersätze. Es ist einfach das Gefühl. Tommy Schneller ist zwar dreifacher Gewinner des deutschen Blues Awards und verwöhnt auch sein Publikum mit Titeln wie den "Cleaning Woman Blues". Aber dass er den Blues als Gemütszustand haben sollte, kann man sich nicht vorstellen. Schnellers Stimme lächelt. Sein Saxophon lacht. Und das ist ansteckend. Verbreitet gute Laune beim Publikum, geht ins Gemüt und auch in die Beine. Wenn dann noch eine schöne Sommernacht dazu kommt, ist das Open Air perfekt. Und so war es am Samstagabend zu später Stunde beim 5. Blues'n Jazz Meeting im Innenhof des Walzwerks Dinslaken.

Tommy Schneller war bereits zum dritten Mal zu Gast im atmosphärischen Innenhof. Im vergangenen Jahr sprang er kurzfristig für den Künstler ein, der am Samstag sozusagen mit einem Jahr Verspätung sein Debüt in Dinslaken gab: Ben Poole, die junge Bluessensation aus Brighton. 2016 fuhr die Fähre zwischen Dover und Calais nicht, dieses Mal kam er vom Festland, aus Zürich. Mit dem Wasser hätte er beinahe trotzdem schon wieder zu kämpfen gehabt, ein kurzer Starkregen legte am Nachmittag zur Soundcheck-Zeit kurz die Technik auf der Open-Air-Bühne lahm.

Aber schon Torsten Peters, der Sänger der Bluebones aus Duisburg, die das Festival am frühen Abend eröffneten, durfte feststellen, dass seine Sonnenbrille zu Anzug und Krawatte nicht nur stylish, sondern auch äußerst nützlich gewesen wäre. The Bluebones selbst taten das Übrige, die Temperaturen im Innenhof höher zu treiben. Sie überzeugten mit schnörkellosem, druckvollen Blues mit einer guten Mischung Rock. Gitarrist Kai Kuschura hatte sich, als er 2011 in die Band einstieg, extra eine Telecaster zugelegt, der Truck unter den E-Gitarren. Und die ist es nun, die mit Torsten Peters' Stimme den rauen Sound der Duisburger prägt.

Auch Ben Poole greift dann und wann zur Telecaster. Aber mehr als diese ist sein Instrument die Les Paul: leicht verzerrt, aber singend im Ton. Sie passt zu seiner weichen, hellen Stimme, sie passt sich in ihrer klanglichen Variabilität der Vielschichtigkeit der Pooleschen Songs an. Stücke, die zu Beginn mal ganz reduziert auf Pooles exzellenten Gitarrenspiel zugeschnitten sind, mal den Charakter von guten Popsongs haben, sich aber dann in einen wahren Klangrausch hineinsteigern. Ben Poole trägt unter seiner Haut eintätowierte Noten und Texte von Jimi Hendrix, seine Verinnerlichung von Clapton und Co. geht noch viel tiefer. Irgendwann ging Ben Poole im Publikum auf. Spielte zwischen den Leuten, hielt einen einzelnen, Akkord gegriffen, wenn er die Fans im Walzwerk umarmte oder mit ihnen ein Bier teilte. Ein Jahr hat man auf seinen Auftritt gewartet. Das Warten hat sich gelohnt.

(bes)
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