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Wilde Weiber in Voerde und Hünxe in ausgelassener Partystimmung

Rathaussturm : Wilde Weiber in ausgelassener Partystimmung

In den Rathäusern in Voerde und Hünxe übernahmen die Möhnen die Macht. Die Bürgermeister rückten die Schlüssel ungern raus.

Es den närrischen Möhnen leicht zu machen oder sich ihnen gar ohne Gegenwehr zu ergeben, das kam für den Bürgermeister nicht in Betracht. Das Rathaus, die Schaltzentrale der Macht, war deshalb in den Airport Voerde umgewandelt worden. Dort erwartete Verwaltungschef Dirk Haarmann, kostümiert als schneidiger Flugkapitän mit sportlicher Sonnenbrille, den Ansturm der närrischen Weiber und beriet sich mit seinen Beigeordneten Nicole Johann und Jörg Rütten sowie Kämmerer Jürgen Hülser, wie die Schaltzentrale der Macht zu halten sei. Derweil waren auf dem Marktplatz bereits die närrischen Möhnen aufmarschiert und stimmten sich mit flotten Tänzen auf den bevorstehenden Rathaussturm ein.

Als das närrische Volks dann den den Airport betrat, mussten die Möhnen, angeführt von Prinzessin Leandra I. und Ehrensenatorin Monika Werthmann, erst einmal die im Eingangbereich aufgebauten Sicherheitsschleusen passieren. Und wie es auf Flughäfen nun mal üblich ist, bildeten sich dort lange Schlangen. Wer da durch war, hatte es noch lange nicht noch oben in die erste Etage geschafft, den Check-In sicherte Security-Chefin Bettina Loogen (sonst Gleichstellungsbeauftragte). Und sie nahm es mit ihrer Aufgabe und den damit verbundenen Personenkontrollen sehr genau, sammelte fleißig gefährliche Gegenstände ein, wie beispielsweise Scheren, die zum Abschneiden von Krawatten verwendet werden können.

Prinzessin Leandra versuchte mit Unterstützung einer Möhne den Koffer, in dem ein Teil des Rathausschlüssels versteckt war, zu öffnen: vergebens. Foto: Heinz Schild

„Helau ihr Möhnen“, begrüßte Flugkapitän Dirk Haarmann die jecken Frauen und ließ keinen Zweifel daran, dass in diesem Jahr der Rathaussturm ausfallen werde, denn: „Statt Rathaus nun ein Terminal, Behörde – das war einmal.“ Er berichtete seinen närrischen Gästen, unter denen sich auch einige Männer befanden, wie beispielsweise Prinz René I., der Prinzessin Leandra begleitet hatte, von den personellen Veränderungen in der Verwaltungsspitze und verkündete: „Zukunft heißt der Blick nach vorn.“ Entsprechend lautete auch bei der neuen Voerder Airline das Motto „Wir starten in die Zukunft“. Die Möhnen luden Haarmann ein mitzugestalten. Der Flughafenterminal stehe als Zeichen für die Reise, erläuerte Kapitän Haarmann.

Kapitän Dirk Harrmann will sich nicht entmachten lassen. . Foto: Heinz Schild
Die Möhnen tanzen sich auf dem Rathausplatz warm. Foto: Heinz Schild

Trotz ihrer Übermacht wollte der Verwaltungschef den Möhnen den Rathausschlüssel nicht einfach so überreichen. Er verriet ihnen aber, dass der Schlüssel versteckt sei. Zudem gab er den Hinweis, dass der Schlüssel der Macht in zwei Teile zerlegt worden sei, die in einem blauen und einem grünen Koffer versteckt seien. Sofort machte sich Prinzessin Leandra mit ihrem Gefolge daran, die Schlüsselteile zu suchen. Während sie eines schnell gefunden hatte, widerstand der grüne Koffer allen Versuchen, ihn zu öffnen, um an das noch fehlende zweite Teil heranzukommen. Dirk Haarmann unterstützte die Prinzessin nach Leibeskräften und versuchte selbst, den Koffer zu öffnen, doch der widerstand. Schließlich stellte der Bürgermeister fest, dass es „ein technisches Problem“ mit dem Koffer gebe. Das wurde gelöst und die Prizessin nahm freudestrahlend und unter dem Jubel des närrischen Volkes den Rathausschlüssel in Empfang. Dirk Haarmann musste sich zuerst von seinem Kapitänshut trennen und erhielt dafür eine Karnevalsmütze. Dann zauberte die Prinzessin einen Schere aus ihrem Kleid, denn irgendwie war es ihr doch gelungen, diese in den Airport hereinzuschmuggeln. Leandra I. machte mit der Schere einmal Schnipp und schnitt dem freundlich lächelnden Flugkapitän Dirk Haarmann die Krawatte ab. Dann ging die Party erst richtig los. Im Rathaus wurde gesungen, getanzt und kräftig geschunkelt.

In Hünxe hatten sich die Möhnen zur Belagerung des Rathauses versammelt. Vor dem Haupteingang harrten sie aus und sangen unterstützt durch einen Akkordeonspieler ihre Lieder. Doch vergebens, es wollte sie niemand in den Verwaltungssitz hinein lassen. Als letztes Mittel griffen die jecken Weiber, angeführt von Obermöhne Andrea Wefelnberg, sich dann den schon bereitliegenden Rammbock und stürmten mit vereinten Kräften die Eingangstüre, als ihnen plötzlich doch geöffnet wurde. Im schwarzen Anzug und mit einem Zylinder auf dem Kopf stand dort Bürgermeister Dirk Buschmann und begrüßte das närrische Volk. Ehe er versah, schnitt ihm, gewissermaßen im Vorbeigehen, eine Möhne den Schlips ab. Im Ratssaal ließen die jecken Weiber es sich dann gut gehen, und es dauerte nicht lange, bis richtige Partystimmung herrschte und getanzt wurde.

Getanzt, gesungen und gelacht wurde nach dem Rathaussturm im Hünxer Ratssaal. Foto: Heinz Schild

Mit den Worten „Helau ihr jecke Weiberschar“, wandte der Bürgermeister sich an die ausgelassenen Möhnen, die gekommen waren, ihn zu entmachten. Doch davon wollte er nichts wissen und verkündete trotzig: „Ich weiche heute nicht zurück, den Rathausschlüssel werd ich halten.“ Den Frauen riet er, wieder nach Hause zu gehen. Doch das überhörten die Möhnen geflissentlich. Schließlich hatte Buschmann ein Einsehen und rückte, wenn auch schweren Herzens, den Rathaus­schlüssel raus, sehr zur Freude der närrischen Weiber. „Nehmt den Schlüssel, nehmt die Macht, dann feiert durch die ganze Nacht.“ Das musste er nicht zweimal sagen.

Michael Wefelnberg schlug Ingrid Meyer zur Ritterin. Foto: Heinz Schild

Bevor der Karnevalsverein Jeck in Hünx nach dem Rathaussturm einen neuen Ritter in seine Reihen aufnahm, begeisterten die Mädchen der Tanzgarde des TuB Mussum mit zwei Tänzen und erhielten viel Applaus. Den gab es auch für Ingrid Meyer, die von Michael Wefelnberg vom KV Jeck in Hünx zur neuen Ritterin von Drevenack und Krudenburg geschlagen wurde. Er erinnerte in seiner Rede daran, dass Ingrid Meyer, die seit 2004 dem Rat der Gemeinde Hünxe angehört, eng mit Drevenack und Krudenburg verbunden ist. Nicht zuletzt in ihrer Funktion als stellvertretende Bürgermeisterin sei sie stets für das Gemeinwohl auf Achse.