Unsere Woche: Wie man Vertrauen erwirbt und wie man es verspielt

Unsere Woche : Wie man Vertrauen erwirbt und wie man es verspielt

Warum die Volksbanken ein gutes Beispiel dafür liefern, wie man mit heiklen Themen umgehen muss und warum Dinslakens Verwaltung im Gegensatz dazu Souveränität vermissen lässt.

Da sage noch jemand, dass sich in unseren zur - oft genug übertriebenen - Aufregung neigenden Zeiten schwierige Entscheidungen nicht ohne großes Tamtam regeln lassen. Die Volksbanken Dinslaken und Rhein-Lippe machen gerade vor, wie das geht. Sie fusionieren, was für beide Häuser ohne Frage einen bedeutenden Einschnitt bedeutet. Und? Das Ganze geht dennoch in großer Ruhe über die Bühne, weil die Vorstände die Zeichen der Zeit erkannt und die sich ihrer Überzeugung nach daraus ergebenden Notwendigkeiten im Vorfeld rechtzeitig und transparent kommuniziert sowie mit überzeugenden Sachargumenten unterfüttert haben. Sie haben es geschafft, Mitglieder, Mitarbeiter und in Folge wohl auch die Kunden auf dem eingeschlagenen Weg mitzunehmen. Das Ergebnis: Die Vertreterversammlung der Dinslakener Volksbank hat mit überzeugender Mehrheit für die Fusion gestimmt und es spricht alles dafür, dass das auch die Vertreter der Volksbank Rhein-Lippe in der nächsten Woche tun werden. So kann man also auch mit heiklen Themen umgehen.

Was für ein wohltuender Unterschied zu dem Eindruck, den Politik und Verwaltung in Dinslaken zurzeit vermitteln. Ein aufgescheuchter Hühnerhaufen in Zeiten der Vogelgrippe muss im Vergleich zu ihrem Agieren ja als nahezu geordnete und völlig besonnene Veranstaltung wirken.

Dass Verwaltung und Politik in Dinslaken souverän und besonnen handeln, wird wohl niemand mehr ernsthaft behaupten können, der im Schulausschuss am Montag Zeuge war, wie die Erste Beigeordnete dieser Stadt im Zusammenspiel mit dem Ausschussvorsitzenden dem Stadtverordneten Thomas Giezek das Rederecht verweigert und sich dann auch noch darauf berufen hat, dass das mit der Rechtsabteilung des Rathauses abgesprochen sei. Eigentlich sollte man meinen, dass jemand, der einem von den Bürgern gewählten Ratsvertreter das Rederecht in einem Gremium eben jenes Rates verweigert, sich zuvor doppelt und dreifach abgesichert hat, dass er das auch darf. War aber leider nicht so, was die Rechtsabteilung des Rathauses nach einigem Nachdenken ja auch erkannt und sich bei Thomas Giezek entschuldigt hat.

Eine Verwaltung und eine Politik, die vom Bürger erwartet, dass er ihr Vertrauen entgegenbringt, muss sich anders verhalten. Dass es mit dem Vertrauen in die Mehrheit der Dinslakener Politik und die Verwaltung in Dinslaken nicht mehr zum Besten steht, war auch am Dienstag beim Bürgerdialog zur Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes zu beobachten. Schon fast flehentlich warb der Bürgermeister darum, dass die Dinslakener ihm beim Bürgerentscheid am 10. Juni die Chance gewähren, das, was er - mit ja durchaus guten Argumenten - für die Zukunft der Stadt für wichtig hält und was von der Mehrheit der Politik mitgetragen wird, weiter zu planen. Und so ist der Bürgerentscheid dann letztlich auch keine Abstimmung über ein ganz konkretes Vorhaben, sondern er wird zum Gradmesser dafür, ob die Bürger noch so viel Vertrauen in Politik und Verwaltung haben, dass sie ihnen glauben, ihr Versprechen tatsächlich wahr zu machen, das da lautet: Alle konkreten Entscheidungen, die im Laufe des Verfahrens noch fallen werden, werden mit den Bürgern zuvor intensiv besprochen und ihre Ideen, wo möglich, berücksichtigt.

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: joerg.werner@rheinische-post.de

(RP)
Mehr von RP ONLINE