Wie Dinslaken die Entscheidung für das Fahrradparkhaus begründet

Bund der Steuerzahler prüft : Argumente für den Fahrradturm

Wie die Stadt Dinslaken die Entscheidung für das Fahrradparkhaus gegenüber dem Bund der Steuerzahler begründet. Alternativen wurden demnach nicht in Betracht gezogen.

Der Bund der Steuerzahler war in dieser Woche zu Besuch in Dinslaken. Die Steuerwächter prüfen, ob das geplante Fahrradparkhaus auf dem Bahnhofsvorplatz ein Fall von Steuerverschwendung ist.

Die Steuerwächter hatten bereits im April die Stadt Dinslaken angeschrieben und um Auskünfte zu dem geplanten Projekt gebeten. Auch die Stadt Offenburg wurde um Informationen zum Thema ersucht – dort steht das Vorbild für das geplante Dinslakener Fahrradparkhaus. Offenbar haben die Antworten der Kommunen den Bund der Steuerzahler nicht restlos überzeugt. Jens Ammann und Andrea Defeld vom Bund der Steuerzahler NWR trafen sich mit Reinhard Claves auf dem Bahnhofsvorplatz um die Örtlichkeiten in Augenschein zu nehmen. Der Geschäftsführer der FDP in Dinslaken hat die Steuerwächter auf das Fahrradparkhaus aufmerksam gemacht.

Warum Dinslaken und Offenburg sich für ein vollautomatisches Fahrradparkhaus entschieden haben, welche Investitionskosten und Folgekosten dies nach sich ziehe, hat der Bund der Steuerzahler unter anderem gefragt. Auch wollten die Experten wissen, wie hoch der Bedarf an Fahrradabstellplätzen in Dinslaken ist und ob Alternativen zum geplanten Fahrradparkhaus geprüft wurden.

Derzeit parken zwischen 430 und 480 Fahrräder am Bahnhof, so die Auskunft der Stadt Dinslaken. Die Untersuchung „Mobilität im ländlichen Raum“ habe „das hohe Potenzial des Dinslakener Bahnhofs als Umstiegspunkt zwischen Radverkehr und öffentlichem Personennahverkehr“ bestätigt und einen Bedarf von 600 Fahrradabstellplätzen ergeben. Der Gutachter habe zudem ein „Defizit an hochwertigen Stellplätzen“ festgestellt. Ein höheres Maß an Sicherheit vor Diebstahl sei „zwingend erforderlich“, so die Stadt in dem Antwortschreiben an den Bund der Steuerzahler. Am Bahnhof bestehe Bedarf nach einem abgestuften System von Abstellanlagen – witterungsgeschützte und diebstahlsichere Anlagen für Besitzer hochwertiger Fahrräder und Pedelecs sowie einfache Fahrradständer oder -bügel in der Nähe des Bahnhofseingangs. Die Stadt will daher – abgesehen vom Fahrradparkhaus – anstelle der jetzigen Fahrradstellplätze neben dem Bahnhof auch eine zweistöckige Abstellanlage mit Platz für 500 Räder bauen. Kosten: eine Million Euro. Die Stadtverwaltung verweist auch auf einen überdurchschnittlich hohen CO2-Ausstoß pro Kopf in Dinslaken sowie die Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte.

Eine Alternative zum Fahrradparkhaus nach Offenburger Vorbild wurde daher anscheinend nicht geprüft. „Auf dem Bahnhofsvorplatz werden verschiedene Parkangebote realisiert. Insofern geht es nicht darum, verschiedene Alternativen gegeneinander auszuspielen, sondern darum, ein breites Angebot für die verschiedenen Nutzergruppen zu schaffen,“ schreibt die Stadt. Wegen der „räumlichen Begrenztheit des Areals“ sei nur eine Anlage wie der Radturm mit einer Grundfläche von 64 Quadratmetern sinnvoll. Bei den Planungen zum Bahnhofsvorplatz hat die Stadt die Größe des Areals mit 25.000 Quadratmetern angegeben.

Das Fahrradparkhaus biete ebenso wie das in Offenburg Platz für 120 Räder. Allerdings ist der Dinslakener Fahrradturm teurer als das Vorbild in Offenburg: 850.000 Euro. Die Stadt erwartet 280.000 Euro Fördermittel, weitere Fördermöglichkeiten würden geprüft. Die jährlichen Betriebskosten gibt Dinslaken mit 20.000 Euro an. Das Offenburger Radhaus war nach Auskunft der Stadt Offenburg ein Pilotprojekt und hat 376.000 Euro gekostet. 239.000 Euro wurden durch Fördermittel und Zuschüsse finanziert, die Stadt musste nur 137.000 Euro tragen. Die Betriebskosten liegen bei 10.000 bis 15.000 Euro jährlich. Der Bund der Steuerzahler will nun einen weiteren Termin auf dem Bahnhofsplatz vereinbaren – diesmal gemeinsam mit der Stadt Dinslaken.

(aha)
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