Wie das Fantastival 2017 Dinslaken beglückt

Reportage Am Montag : Wie das Fantastival Dinslaken beglückt

Beim Fantastival zieht es die Besucher längst nicht mehr nur ins Burgtheater. Viele machen es sich auch rund um die Freilichtbühne gemütlich, breiten auf der Wiese ihre Decken aus und machen sich einfach einen schönen Abend.

Dinslaken Die Bänke am Ufer des Ententeichs neben Burgtheater und Rathaus sind schon alle besetzt. Auch auf den Rasenflächen rund um das Gewässer sind kaum noch Plätze frei. Hier haben es sich viele Menschen auf Decken gemütlich gemacht. Einige haben sogar ihre Klappstühle von Zuhause mitgebracht und genießen die Klänge und Bühnen-Licht-Effekte, die über die Mauer des Burgtheaters nach draußen dringen. Schließlich steht dort gerade nicht irgendwer auf der Bühne, sondern Nena. Während die im Burgtheater die Zuschauer unterhält, herrscht rund um den Ententeich eine entspannte Stimmung. Während die einen angestrengt nach den Klängen lauschen, die aus dem Burgtheater zu ihnen herüberdringen, ist die Musik für andere eher Hintergrundunterhaltung für Gespräche.

"Wir sind schon wegen Nena hier", sagt Marion Depner, die es sich mit Ehemann Nils und Tochter Sarah auf einer Decke am Ententeich gemütlich gemacht hat. "Ihre Musik läuft auch Zuhause öfter mal." Die Kosten, um sich das Konzert im Burgtheater anzusehen (immerhin 57,50 Euro pro Karte), scheuten die beiden mit ihrer Tochter Sarah dann aber doch. "Außerdem waren die Tickets für das ursprüngliche Konzert ja auch sehr schnell ausverkauft", erklärt Nils Depner. Und so hat die Familie auf der Wiese neben dem Burgtheater ein Plätzchen gefunden. Dabei haben sie mit dem Konzertbesuch als Zaungäste beim Fantastival schon etwas Erfahrung. "Im vergangenen Jahr waren wir hier und haben uns Anastacia angehört", erzählt Marion Depner. Die Konzerte der Sängerin aus den USA zum Fantastival im vergangenen Jahr waren beide ausverkauft.

Genossen die Atmosphäre am Ententeich und sparten sich die Eintrittskarten: Nils, Marion und Sarah Depner lauschten neben dem Burgtheater dem Auftritt von Nena. Foto: Martin Büttner

Die Familie hat sich auf den Konzertbesuch vorbereitet. "Wir haben heute Mittag unser Auto in der Nähe geparkt, für den Fall, dass es Regen gibt", sagt Nils Depner. Außerdem haben die drei Regenschirme dabei. "Die haben wir auch schon kurz gebraucht, als es vorhin kurz geregnet hat", berichtet Marion Depner. Dass sie ihren Konzertabend nicht auf den Rängen des Burgtheaters verbringen und nicht alles vom Konzert mitbekommen, stört die drei nicht wirklich. "Bei Anastacia war der Sound ein bisschen besser", sagt Nils Depner. "Aber wir können uns ja schlecht beschweren." Er lacht. "Ich finde die Atmosphäre hier draußen auch angenehmer als im Burgtheater", sagt die 21-jährige Sarah. Ein ausgemachter Nena-Fan ist sie übrigens nicht. "Man kann es sich anhören", kommentiert sie die Musik.

Im Burgtheater stimmt Nena das wohl bekannteste ihre Lieder an: "99 Luftballons". Hinter der Mauer am Burgtheater sieht man einen großen Ballon hochspringen und die Bühnenlichter flackern. Das ist für die Mitglieder der Männergruppe aus der Gemeinde Heilig Blut, die hier zu viert den Abend genießen, aber eher am Rande interessant. "Nena hat unsere Jugend schon geprägt, und wir wären auch nicht hier, wenn heute jemand anderes auftreten würde", sagt Roland Friedhoff. "Der ein oder andere von uns war früher auch in sie verliebt." Seine Freunde Peter Holtkamp, Ralf Baumgärtl und Thomas Bromby lachen. "Mich persönlich interessiert Nena nicht so sehr. Ohne die Jungs wäre ich heute nicht hier", sagt Peter Holtkamp. "Man muss schon ein absoluter Fan sein, um für ein Konzert so viel Geld auszugeben", sagt Ralf Baumgärtl.

Die beiden sind vor allem zum Ententeich gekommen, um hier ihre Freunde aus der Männergruppe der Kirchengemeinde Heilig Blut zu treffen. "Wir machen einmal im Monat gemeinsam etwas, dass jeweils einer aus der Gruppe plant", erklärt Thomas Bromby. "Und zwischendurch treffen wir uns auch einfach mal spontan."

Den Auftritt vom Nena zum Fantastival haben die vier Männer eher als kleinen Aufhänger für eine der spontanen Begegnungen zu nehmen. "Wir wussten, dass heute hier etwas los sein würde und haben uns deswegen entschieden herzukommen", erklärt Roland Friedhoff. Er und seine Freunde sind alle in Vereinen aktiv, treffen immer Bekannte, wenn sie rausgehen. "Das macht doch viel mehr Spaß, als zu Hause auf der Couch zu sitzen und in den Fernseher zu schauen", sagt Friedhoff weiter.

Und so stößt das Quartett noch mal mit Bier aus der Flasche an, während einige Besucher am Ententeich sich zum Takt der Musik auf ihren Decken bewegen und die Atmosphäre rund ums Burgtheater genießen. Man kann einen Abend beim Fantastival also auch genießen, ohne das Burgtheater zu betreten.

(RP)
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