Wie Betriebe und Verwaltungen in Dinslaken, Voerde und Hünxe die Arbeitszeit erfassen

Mittags- und Raucherpausen : Zettel oder Mausklick statt Stechuhr

In Betrieben und Verwaltungen in Dinslaken, Voerde und Hünxe wird die Arbeitszeit der Angestellten bereits systematisch erfasst – und das mit unterschiedlichen Methoden. Das EuGH-Urteil sorgt für Kontroversen.

Kommt die Stechuhr wieder? Nicht zwangsläufig, doch klar ist seit Dienstag: Arbeitgeber müssen die Arbeitszeit ihrer Beschäftigten künftig lückenlos erfassen, nicht nur die Überstunden, wie der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden hat. Dafür müssen im Zweifel neue Systeme in den Unternehmen geschaffen werden. In Betrieben und Verwaltungen in Dinslaken, Voerde und Hünxe wird die Arbeitszeit der Angestellten bereits systematisch erfasst – und das mit unterschiedlichen Methoden.

Bei der Tischlerei Spaltmann im Dinslakener Gewerbegebiet an der Thyssenstraße wird nicht gestempelt, die Zeiterfassung läuft über einen Stundenzettel. Hier tragen die Mitarbeiter ihre täglichen Arbeits- und Pausenzeiten ein, erklärt Inhaber Jens Spaltmann. Raucherpausen müssten auf dem Zettel aber nicht vermerkt werden, sagt der Tischlermeister. „Das ist eine zusätzliche Pausenzeit, die ich meinen Mitarbeitern gönne.“ Überstunden würden ausbezahlt oder bei Bedarf abgefeiert. „Und wenn wir in der Werkstatt sind, sehe ich zu, dass es rechtzeitig nach Hause geht“, so Jens Spaltmann.

„Wir verfolgen die Aufwände und Zeiten nach Projekten mit einer softwarebasierten Zeiterhebung zurück“, sagt Denny Franzkowiak von der Dinslakener Online-Marketing-Agentur Conversionmedia, die an der Kurt-Schumacher-Straße ansässig ist. Das heißt konkret: Am Computer erfassen die festangestellten oder freien Mitarbeiter per Klick ihre Arbeitszeiten und Pausen. Die könnten sehr flexibel gestaltet werden. Überstunden gebe es praktisch nicht, für die Projekte würden die Aufgaben und deren Aufwand genau geprüft und je nach Kapazität an die Mitarbeiter verteilt. „Wir kaufen die bestätigte Arbeitszeit beim Kunden ein. Dann wird eventuell nachverhandelt.“ Denny Franzkowiak hält die Debatte um das Urteil für „hochemotional“. Doch sei die Arbeitszeiterhebung, selbst über digitale Systeme, bereits gang und gäbe – auch in der Dinslakener Agentur. „Wir wollen unseren Kunden und uns selbst Transparenz zeigen.“

Auch die kommunalen Verwaltungen in Dinslaken, Voerde und Hünxe erfassen die Arbeitszeiten ihrer Mitarbeiter – und zwar mit einem kleinen Chip, der im Vorbeigehen an ein Erfassungsgerät gehalten werden muss.

„Alternativ gibt es aber auch die Möglichkeit, sich über den Rechner einzuloggen“, erklärt Marcel Sturm, Stadtsprecher in Dinslaken. Dies täten beispielsweise die Mitarbeiter bei Stadtinformation und Museum, „weil wir dort keine Terminals installiert haben“. Auschecken müsse man dann, wenn man das Haus verlasse – also beispielsweise bei Mittags- oder Raucherpausen. „Für Toilettenpausen gilt das natürlich nicht“, sagt Sturm. Und ergänzt, dass es auch absurd wäre, erst nach unten zu laufen, um auszuchecken, dann die Toilette aufzusuchen und dann wieder einzuchecken. „Da ginge ja deutlich mehr Zeit bei drauf.“

Die Arbeitszeit wird bei der Stadt Dinslaken auch bei denjenigen erfasst, die von zu Hause aus arbeiten – im Homeoffice also. „Da wird dann im Voraus ein klares Abkommen getroffen, von wann bis wann jemand arbeitet“, erklärt Marcel Sturm. Dies funktioniere auch gut.

Die Arbeitszeiterfassung in der Verwaltung sei so weit automatisiert, dass niemand nochmal nachrechnen müsse, der Arbeitsaufwand sich also in Grenzen halte. „Lediglich Außentermine müssen unsere Mitarbeiter separat erfassen.“

Hier gelte es zu dokumentieren, wann der Termin begonnen und geendet habe – das wiederum werde von den Sekretariaten des jeweils zuständigen Fachdienstes ins System eingepflegt. Die angefallenen Überstünden werden bei der Stadt „in der Regel immer als Freizeitausgleich abgebaut“, sagt Sturm. Dass jemand sich Überstunden ausbezahlen lasse, sei „eine absolute Ausnahme“ und käme eigentlich nicht vor.

Auch bei der Verwaltung Voerde erfolgt die Zeiterfassung minutengenau über Zeiterfassungsterminals. „Hierdurch entsteht zentral kein Aufwand. Die Bearbeitung der Korrekturbelege erfolgt durch dezentrale Buchungskräfte“, erklärt Bürgermeister Dirk Haarmann. Für Mittags- und Raucherpausen müsse man sich ausbuchen, bei Toilettengängen nicht. Für die Arbeitszeiterfassung im Homeoffice gebe es in Voerde keinen Leitfaden, da es derzeit noch nicht möglich sei. Außentermine sowie die Teilnahme an Rats- oder Ausschusssitzungen gelten als Arbeitszeit. Überstunden werden auch hier „primär in Freizeit abgegolten“.

Im Rathaus Hünxe können Arbeitszeiten über Chip oder Rechner erfasst werden. Die Verwaltung greife zurück auf ein „recht flexibles Modell“, sagt Sven Linda von der allgemeinen Verwaltung. So gebe es „Kernzeiten“ im Rathaus, etwa 7 bis 12 Uhr, sowie an drei Nachmittagen in der Woche von 14 bis 16 Uhr.

„Da ist die Anwesenheit der Mitarbeiter in der Regel Pflicht“, erklärt Sven Linda. „Rahmenzeiten“ gelten montags bis donnerstags von 7 bis 18 Uhr und freitags von 7 bis 14 Uhr. „Alles, was über diese Rahmenzeiten hinaus geht, muss eingereicht werden.“ Dies sei über den Computer möglich. „Der Aufwand, um die Arbeitszeit zu erfassen, ist ganz gering: Es ist mit ein paar Klicks getan“, erklärt Linda. Homeoffice sei bei der Gemeinde ebenfalls möglich – hier logge man sich dann in jedem Fall über den Computer ein, um seine Arbeitszeit erfassen zu lassen.

(mh/akw)
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