Dinslaken: Wenn in der Notaufnahme die Hölle los ist

Dinslaken : Wenn in der Notaufnahme die Hölle los ist

Bei bedrohlichen Erkrankungen ist die ZNA eines Krankenhauses die richtige Anlaufstelle. Auch vom Hausarzt geschickte Patienten durchlaufen sie.

Wartezeiten in der Notaufnahme eines Krankenhauses sind unvermeidlich. Wenn, wie in diesen Zeiten auch noch Influenza und Noro-Virus hinzukommen, kann es noch einmal verstärkt hochhergehen - wie derzeit an vielen Krankehäusern in der Region. Werden dann auch noch Notaufnahmen wegen Überkapazitäten geschlossen und Kranken- und Rettungswagen an offene Krankenhäuser geschickt, ist - für den Patienten sichtbar - die Hölle los. Schon zu "normalen" Zeiten warteten 150 bis 200 Patienten täglich in der Zentralen Notaufnahme (ZNA) des St. Vinzenz-Hospitals, erzählt Fachdienstleiterin Edeltraud Leske. Betreut und durch die ZNA geleitet werden sie von gerade einmal 17 Mitarbeitern.

Die Notaufnahme im Sankt Vinzenz-Hospital ist 24 Stunden geöffnet und das an 365 Tagen im Jahr. Sie ist die erste Anlaufstelle für alle Patienten mit schweren und akut auftretenden körperlichen Beschwerden sowie Unfallverletzungen. Das Prinzip "Wer als erstes kommt, wird auch als erster behandelt" trifft in der Notaufnahme nicht zu, so Sebastian Bolten, Chef der Zentralen Notaufnahme. Vielmehr gehe es darum, die lebensbedrohlichen Fälle zu erkennen und folgerichtig als erste zu behandeln. Keine leichte Aufgabe für das dortige Personal, das eine Ersteinschätzung vornehmen müssen.

Diese Einschätzung erfolgt am Sankt Vinzenz-Hospital nach dem Manchester-Triangesystem. Ein System, das seinen Ursprung im Katastrophenschutz hat und in mehreren Kategorien eingeteilt ist. Kategorie Rot bedeutet unmittelbare Behandlung, da Lebensgefahr besteht, die Kategorien Orange und Gelb fordern in Abstufungen ebenfalls eine dringende Behandlung, die Kategorien Grün und Blau hingegen signalisieren, dass hier keine Lebensgefahr besteht.

Für den Patienten sei dies nicht sofort ersichtlich, darum versuche man so viel Transparenz wie möglich zu schaffen. Das funktioniere leider nicht immer, vor allem, wenn die Notaufnahme überfüllt sei, so Bolten.

Vor allem am Mittwochnachmittag und an den Wochenenden steuerten viele Patienten mit Bagatellbeschwerden das Krankenhaus an, die eigentlich in den hausärztlichen Notdienst gehören.

Von den Hausärzten weitergeleitete Patienten werden ebenfalls durch die ZNA geschleust. Meist kämen Patienten mit komplexen Symptomen. In der Notaufnahme machen sich Fachärzte ein erstes Bild vom Patienten, notwendige Erst-Untersuchungen können sofort vorgenommen werden wie EKG, CT, MRT, Ultraschall und mehr. Aber auch diese Maßnahmen und vor allem die Auswertung der Ergebnisse kosteten Zeit, so dass für den Patienten Wartezeiten von bis zu zwei Stunden entstehen können. Danach aber könne er zielgerichtet der richtigen Station und Pflege zugewiesen werden. Eine Methode, die sich laut Sebastian Bolten bewährt hat. Zwar gebe es Verbesserungsbedarf, doch der scheitert bislang an der Gesundheitspolitik von Land und Bund.

(big)
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